Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. 484

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-08-01
Page
484 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316701-2316709--11326-2331935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

484 Im deutschen Reich. Magd ermordet ausgefunden. Die Leiche zeigte einen tiefen Schnitt am Halse. Der Verdacht, den Mord verübt Zu haben, richtete sich gegen einen jüdischen Fleischhauergesellen. Derselbe wurde bereits verhaftet. Jüdische Blätter, die über den Mord berichten, so die „Ungarische Wochenschrift", wissen zu melden, daß man im ganzen Saroser Komitat, in welchem die genannte Ortschaft liegt, die Mordtat als einen Ritualmord bezeichnet. Ebenso wird allgemein der jüdische Fleischerknecht als der Täter genannt, weil man ihn ixt der Nähe der Mordstelle gesehen hat". —Das ungarische Antisemitenblatt „Alkotmany" wetteifert inbezug auf ähnliche Insinuationen mit dem Wiener „Deutschen Dolksblatt", dessen Hintermänner seiner Zeit das „Drama vonPolna" so geschickt inszenierten, welches dann von deutschen Antisemiten in Könitz mit gleichem Erfolge getreu kopiert wurde. Der unverwüstliche Stoff des Ritualmord-Märchens bewährt sich leider in jeder Bearbeitung. Um so größeres Erstaunen verursachte die Mitteilung, „der Oberrabbiner von Alexandrien habe einen Rabbiner- Kongreß in Krakau angeregt, aus welchem vor offener Bundeslade im Namen der Rabbiner und des ganzen jüdischen Volkes der feierliche Schwur abgelegt wurde, „daß die Blutbeschuldigung" eine freche Lüge sei, der Ritualmord den religiösen Geboten widerspreche und unter den Juden zu keiner Zeit existiert habe". Solcher feierlicher Versicherung bedarf es wahrlich nicht, um die jüdische Religion von dem schmählichsten Verdachte zu reinigen; bei den leichtgläubigen Anhängern der Antisemiten wird sie wirkungslos bleiben, weil mit der Dummheit selbst Götter vergeblich kämpfen und bei denen, die mit der Ritualmordlüge „schachern", erst recht, denn gewissenlos und leider straflos treibt die internationale Clique fort und fort, wie der Jntriguant in „Kabale und Liebe" „ein trauriges Geschäft, bei dem man unmöglich selig werden kann". A. L. KorrssPEdeWeR. V Berlin, 18. August. Noch immer beschäftigt die Verwertung des traurigen Konitzer Ereignisses durch die „Staatsbürger- Zeitung" die richterlichen Behörden. Am 18. Juli wurde vor dem Schöffengericht des Berliner Landgerichts I die Beleidigungsklage ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.