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Im deutschen Reich · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. 473

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-08-01
Page
473 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. m Vorschriften es verlangten; denen man auch inbezug auf die Sabbatheiligung und andere rein jüdische Einrichtungen die größte Rücksichtnahme zeigte. So ist es recht, denn solange die Juden neben den Christen in unserem Daterlande leben, muß man ihren Anschauuungen und rituellen Forderungen Rechnung tragen. Wir dürfen von unserem Standpunkte aus wohl jene Lehren und Gebräuche für verkehrt ansehen, ja, wir könnten auch versuchen, sie von der Verkehrtheit ihrer Lehre zu überzeugen, aber solange wir sie nicht zwingen können, die christliche Religion anzunehmen, solange haben wir nicht das Recht, ihre Einrichtungen zu verbieten, zu Hintertreiben oder zu besudeln mit Spott und Hohn und Beschimpfung. Was nun aber den Juden gegenüber recht ist, das ist den christlichen Konfessionen gegenüber zum mindesten billig. Diejenigen christlichen Konfessionen, welche den größten Teil unseres Staates ausmachen, nämlich die katholische und protestantische, können nur in Frieden leben, wenn auch sie jene Duldung und Rücksichtnahme auf die Gebräuche und Anschauungen der anderen Konfession nehmen, welche man den Juden gegenüber wie etwas Selbstverständliches übt. Doch diese Rücksicht wird leider uns oft versagt". Wenn dies nicht nur ein leeres Wort, sondern der richtige Ausdruck der Gesinnung der jetzigen Führer der katholischen Partei ist, werden diese in der nächsten Tagung des deutschen Reichstages sicher genügenden Anlaß erhalten, eine solche Gesinnung zu betätigen. Es ist z. B. unschwer vorauszusehen, daß die neuen antisemitischen Abgeordneten baldigst durch gemeinsame Angriffe auf die jüdische rituelle Schlachtmethode und andere religiöse Einrichtungen des Judentums ihren Wählern einen Beweis für ihre Leistungsfähigkeit und vielfach angezweifelte Einmütigkeit zu geben suchen. Die antisemitische Presse und die ihr nahestehende agrarische „Deutsche Tageszeitung" haben bereits angedeutet, daß die Heeresverwaltung darüber interpellirt werden müsse, daß in den Kaiserlichen Armee-Konserven-Fabriken in Mainz und in Haselhorst bei Spandau die Rinder geschächtet werden. Die Antwort ist von fachmännischer Seite bereits gegeben worden; sie lautet dahin, daß in früheren Jahren in Mainz große Massen Konserven als verdorben weggeworfen werden mußten, die Konserven aber sich seit Einführung des Schächtens als viel haltbarer erweisen. Aber die Antisemiten kümmern sich sehr wenig darum, o.b eine Schlachtmethode sich praktisch bewährt oder nicht; ihnen liegt mehr daran, daß sie ein Agitationsmittel behalten, dessen sie auf Grund jahrelanger Auseinandersetzungen in den Tierschutzvereinen sicher Zu sein glauben. Für sie war es schon eine große Enttäuschung, daß gerade in

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