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Im deutschen Reich · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. 468

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
Beteiligung von Frauen an dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
Date
1903-08-01
Page
468 (sequence 3)
Language
German
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468 Im deutschen Reich. Bejahung unserer politischen Existenz eine politische Bewegung, und glaubt man uns deshalb, wie es nach Maßgabe der gegenwärtigen Judikatur leider geschieht, den vorgedachten erschwerenden Vereinsvorschriften unterwerfen zu dürfen, so müssen wir dies ruhig hinnehmen; wir müssen lieber die gesetzlichen Konsequenzen hieraus ziehen, als daß wir uns entschließen, von unseren Bestrebungen auch nur ein Tüpfelchen aufzugeben. Zu den Erschwerungen, mit denen wir nach Maßgabe der Judikatur uns abstnden müssen, gehört nach § 8 der Verordnung das Verbot, Frauen, Schüler und Lehrlinge als Mitglieder aufzunehmen, da dieses Verbot für alle diejenigen Vereine ausgesprochen ist, welche bezwecken, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern. Daß es dem Verein nicht leicht fallen kann, auf die Aufnahme jüdischer Frauen als Mitglieder zu verzichten, bedarf nicht erst der Betonung. Unser Kampf kann und wird nur dann Erfolg haben, wenn die deutschen Frauen jüdischen Glaubens dauernd, wie bisher, auf unserer Seite bleiben. In unseren Bestrebungen treten zum erheblichsten Teile ethische Momente hervor. Zu unseren Hauptzielen gehört es, in unseren Mitgliedern das Bewußtsein ihrer eigenen menschlichen und bürgerlichen Würde, verbunden mit der Achtung vor der menschlichen und bürgerlichen Würde der anderen, zu stärken, für den so selbstverständlichen und doch, wie alles Selbstverständliche, in der Welt des politischen Lebens tatsächlich so oft verhöhnten Gedanken zu kämpfen, daß die bürgerlichen Tugenden eines Menschen nicht von seiner Abstammung und nicht von seinen Glaubensgrundsätzen abhängig sind. Wer kann uns in diesem Kampfe mehr fördern als die deutsche Frau, die ihre Kinder in diesen Gedanken erzieht und sie so mit einem Panzer ausstattet, an dem die vergifteten Pfeile niedriger Verleumder zurückprallen! Die Frau ist es vor allem, von der wir erwarten dürfen, daß sie die im Kampf erlahmenden und verzagenden Geister wieder aufrichtet. Ihre Glaubenstreue ist der einzig wirksame Schutz gegen alle diejenigen Bestrebungen, welche darauf abzielen, unserer Jugend die vielgeschmähte Last des Judentums abzunehmen und unfern Kindern Würden und Ehren durch ein geknicktes Gewissen zu erkaufen. Damit sind die staatsbürgerlichen Ausgaben der Frau gewiß nicht erschöpft, und ich bin weit davon entfernt, in der Beschränkung auf diese Aufgaben einen gerechten Zustand zu erblicken. Im Gegenteil, ich bin überzeugt, daß eine derartige Beschränkung so sehr unseren modernen Anschauungen widerspricht, und daß dieser ungerechte Zustand gerade bei Vereinigungen, wie die unsrige, die nur aus die Geister zu wirken sich bemüht und die jederzeit im öffentlichen Leben

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