Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 419 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 419 tffemiten unter sich" darf man es Wohl rechnen, wenn Herr von Hertzberg-Lottin, dem die Antisemiten nicht zu einem Reichstagsmandat verholfen haben, öffentlich erklärt: „Der Rektor a. D. Ahlwardt hat in Wahlversammlungen behauptet, ich erhielte von den Genossenschaften 12 000 Mk. Gehalt. Dies ist selbstverständlich ebenso gelogen, wie Alles, was Herr Ahlwardt sagt und noch sagen wird. Ich erhalte nicht einen Pfennig Gehalt von den sechs Genossenschaften, bei denen ich die Ehre habe, an leitender Stelle Zu stehen. Herrn Ahlwardts Neigung zur Behauptung erweislich falscher Tatsachen ist gerichtlich so oft festgestellt, daß ich für weine Person darauf verzichte, fernere Wahlkampflügen Zu berichtigen". Als „Gieserei" dürfte es nicht minder anzusehen sein, wenn die „Staatsbürger Ztg." in ihrem Zorn über die von dem Bund der Landwirte Wahlkreise Arnswalde-Friedeberg aufgestellte Kandidatur des Rittergutbesitzers Schäper schreibt: „Ueberall bildet der Bund der Landwirte das zersetzende Element in den Parteien, überall sucht er die Parteien zu schwächen und sie an die Bundeskette zu fesseln. Daß dabei die Landwirtschaft nur mit leeren Versprechungen abgespeist wird, ist zur Genüge bekannt." Vom „Bunde der Landwirte" bis zu den Nationalliberalen ist nach Ansicht der National-Sozialen nur ein Schritt; trotzdem sind in dem 9. sächsischen Wahlkreise Freiberg-Döbeln der Wiederwahl des bisherigen Vertreters im Reichstage, vr. Oertel, welcher das Organ des Bundes redigiert, von nationalliberaler Seite erhebliche Schwierigkeiten bereitet worden. Daß der Wahlaufruf für den liberalen Kandidaten im 9. Wahlkreise, den Generalsekretär des Handelsvertragsvereinsvr. Kuntze, sogar von einer Menge von Postbeamten unterzeichnet wurde, erregte das Entsetzen der für den Abg. vr. Oertel begeisterten antisemitischen Presse, die sofort bereit war, das von ihr sonst so sehr verpönte „Denunzieren" gegen die Postbeamten ins Werk zu setzen, auf deren Gefolgschaft sie seltsamer Weise Anspruch zu haben meinte. Die „Dresd. Wacht" denunzierte mit nachstehenden Sätzen: „Man sieht, daß Herr Staatssekretär Kraetke mit seiner aus Patriotismus heraus geborenen Warnung bei seinen Beamten wenig Glück hat, ja, daß dieselben sich in vollständiger Verkennung ihrer Interessenten gerade gegen denjenigen Kandidaten mit wenden, der sich ihrer Wünsche am meisten angenommen hat, und sich für einen Mann erklären, der ihnen im ganzen Leben nie etwas wird helfen können!" Hoffentlich wird dieser böse Angriff der Antisemiten auf die politische Meinungsfreiheit der Postbeamten nicht unbeachtet bleiben. In der. jetzigen. Kampfstimmung schonen die antisemitischen Rufer im Streit keinen,