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Im deutschen Reich · 1903-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1903) · p. 418

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-06-01
Page
418 (sequence 9)
Language
German
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418 Im deutschen Reich. semiten und des Bundes der Landwirte erkoren worden war. Denn in Marburg ist offizieller Bundeskandidat — einstimmig von den Vertrauensmännern ausgestellt! — der konservative Kammerherr von Pappenheim. Herr Zimmermann sucht also denselben Bund der Landwirte, der ihn in Sachsen auf den Schild gehoben hat, in Kurheffen zu Fall zu bringen. In Döbeln ist er Bundesredner, in Marburg Antibundesredner. Jeder, der die Geschichte der antisemitischen -Parteigrößen verfolgt hat, wird es Herrn Zimmermann zutrauen, daß er mit derselben Ueberzeugungstreue in Sachsen das weiß nennt, was für ihn in Hessen schwarz ist. Er will ja narr aus alle Fälle in den Reichstag. Gespannt aber muß man auf das Verhalten des Bundes der Landwirte sein. Wenn er es ruhig mit ansieht, wie sein offizieller Kandidat in Sachsen einen offiziellen Bundeskandidaten in Kurheffen stürzt, dann — ja dann verdiente er es wirklich, restlos in der nationalliberalen Partei aufzugehen. Oder meinen Sie nicht, Herr Dr. Diederich Hahn?" Noch schärfer hat die „Eisenacher Zeitung" behufs Bekämpfung der Kandidatur Noll das Verhalten der Antisemiten zum Bunde der Landwirte in einem sehr ausführlichen Artikel gekennzeichnet, in dem der Nachweis geführt wurde, daß die im Februar d. I. von Liebermann von Sonnenburg in der Zirkusversammlung des Bundes der Landwirte abgegebene Erklärung, daß er und seine politischen Freunde stets fest auf dem Boden des Bundes gestanden hätten und niemals von demselben abgewichen seien, höchstens für Liebermann selbst als zutreffend betrachtet werden könne, vr. Böckel habe schon 1893 gesagt, „der Bund führe Polacken und sonstiges Stimmvieh schnapsbenebelt zur Wahlurne", der antisemitische Abg. Hirsche! habe 1895 und 1899 im Verein mit dem Abg. Köhler gegen den „Bauernfang der ostelbischen Junker" geeifert, der Abg. Lotze habe den Bund als einen Unterschlupf für konservative und nationalliberale Wahtzwecke bezeichnet, Hans von Mosch Liebermann der Absicht geziehen, die Antisemiten „an den Karren des Bundes der Landwirte anzuhängen", Bruhn habe auf dem Eisenacher Parteitage 1902 erklärt, der Bund sei nichts anderes als eine „Avantgarde der Konservativen". Schließlich gedenkt der die Kandidatur des Oberförsters Fries befürwortende Artikel der „Eisenacher Ztg." selbstverständlich auch der gegen Liebermanns Agrariertreue gerichteten, vondemGeschäftsführerder deutsch-sozialenResormpartei Dr. Giese ausgegangenen scharfen Angriffe, die bekanntlich zur Spaltung der Partei geführt haben, und bis in die letzte Zeit fortgesetzt wurden. Für diese inneren Zwistigkeiten der Antisemiten ist übrigens neuerdings die Marke „Giesereien" gemünzt worden. Zu dem Kapitel „An-

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