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Im deutschen Reich · 1903-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1903) · p. 417

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-06-01
Page
417 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Umschau. 417 meinen, gleichen, geheimen, direkten Reichstagswahlrechts, dagegen verwerfe ich jede Art von Arrsutrhwegesetzgebung Zu Ungunsten einzelner Parteien, Konfessionen oder Stände, jede Unterdrückung und Unduldsamkeit auf politischem, religiösem und wirtschaftlichem Gebiete." Würden diese Worte das' Programm des Zentrums für die nächste Reichstagssession dm stellen, daun wäre von derselben Erfreulicheres zu erwarten, als die letzte Tagung zuwege gebracht hat. Daß der Antisemitismus dem Zentrum nicht nur in Bayern das Feld abzugraben sucht und daß jede Abweichung von den Traditionen Windthorsts und Liebers die Sache der Katholiken mindestens ebenso schädigt wie die der Juden, ist eine Tatsache, der sich die Beteiligten eigentlich kaum verschließen können. Die Angriffe der bayrischen Antisemitenblätter, insbesondere des „Vaterland" ans das Zentrum sind durch die Verminderung der Duldsamkeit dieser Partei nicht zarter, sondern kühner geworden. Die von dem antisemitischen Katholiken Oswald Zimmermann in Dresden geleitete „Deutsche Wacht" verhöhnt das Zentrum mindestens ebenso kühn wie die Inden. Am 5. Juni spöttelte z. B. das Dresdener Blatt unter anscheinender Anspielung auf Anzengrubers „Kreuzelschreiber" über einen Artikel des Zentrumsorgans „Christlicher Pilger", in dem die Frauen zur Beeinflussung der Wahlen mit den Worten ausgesordert werden: „Eine Frau kann vieles durchsetzen. Am Wahltage gilt es. die ihr vom Schöpfer verliehenen natürlichen Gaben für das Wohl des Volkes, des Staates und der Kirche praktisch anzuwenden." Dem erwähnten sächsischen Führer der deutsch-sozialen Reform- Partei, Oswald Zimmermann, der, obgleich Katholik, die antikatholische „Los von Rom-Bewegung" in Böhmen emsig im Nebenberuf betreibt, ist in letzter Zeit von national-sozialer Seite über seine politische Vielseitigkeit wiederholt gründlich der Text gelesen worden. Das in Schöneberg - Berlin erscheinende national - soziale Blatt „Zeit" schrieb z. B. unter der Spitzmarke „Antisemitische Moral" dem im Mandats Hunger mit Wilhelm Bruhn wetteifernden Herrn Zimmermann folgendes ins Stammbuch: „Jetzt wollen die Antisemiten anscheinend den Beweis erbringen, daß sie sich an politischer Dehnbarkeit von keiner Partei, selbst nicht von der Kautschukpartei par excellence, den Nationalliberalen, übertreffen lassen. Anders wenigstens kann man es sich nicbt erklären, daß Herr Oswald Zimmermann, das Haupt der deutsch-sorialen Reformpartei, sich plötzlich in Marburg als antisemitischer Kandidat hat aufstellen lassen, nachdem er schon vor Monaten für den sächsischen Wahlkreis Döbeln - Nossen als gemeinsamer Kandidat der Anti-

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