Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 416 (sequence 7)
- Language
- German
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416 Im deutschen Reich. von dem Zentrum vorgeschlagenen Rittergutsbesitzer Bredow-Zippnow. Daß letzterer in einer Wählerversammlung im „Deutschen Hause" in Deutsch-Krone ausdrücklich erklärte, daß das Zentrum keine konfessionellen Interessen vertrete und daß er bei seiner Wahl Protestanten, Juden und Katholiken gleichmäßig vertreten würde, daß der Vorsitzende der Versammlung, Prälat Friske-Zippnow auch ähnliche Erklärungen abgab, brachte Herrn Bruhn so vollständig außer Fassung, daß er dem Bunde der Landwirte und dem Zentrum Mangel an politischer Ehrlichkeit vorwars, weit der Bund seinen politischen Charakter und das Zentrum seinen speziellen katholischen Standpunkt bestritten habe. Die „politische Ehrlichkeit" des von Herrn Wilhelm Bruhn in Deutsch-Krone vorgeschlagenen Heinersdorser Lehrers mußte freilich als unbestritten gelten, nachdem zur Befürwortung seiner Wahl mit seiner Zustimmung wiederholt Flugblätter verteilt worden waren, die von Beleidigungen und Verleumdungen des Judentums förmlich strotzten. Insofern stach der dortige Wahlkampf wesentlich von dem im hessischen Kreise Hün feld-Hersfeld-Rotenburg geführten wesentlich ab, als in dem östlichen Kreise der antisemitische Kandidat, mit „politischer Ehrlichkeit" prunkend, seine Judenseindlichkeit offen bekundete und mit dieser die in der Judenfrage offenbar vorurteilslosen Kandidaten der Reichspartei und des Zentrums, Gamp und Bredow, aus dem Felde zu schlagen versuchte, während in Hersfeld der antisemitische Kandidat, der Mitredakteur der „Staatsbürger-Ztg.", Ludwig Werner, zeitweilig den Judenhaß in die Tasche steckte und, vielleicht in freundlicher Erinnerung an die von dem verflossenen jüdischen Journalisten Hamburger bezogenen Honorare, sich sogar einzelnen hessischen Juden in freundschaftlichster Weise am Biertische zu nähern suchte. Möglicherweise geschah dies aber auch aus Aeraer über die „Ungunst" des Bundes der Landwirte, der entschieden für die Kandidatur des Rittergutsbesitzers von Stockhausen-Abgunst mit der Erklärung emtrat, daß Werner als Kandidat des Bundes der Landwirte durchaus nicht in Betracht kommen könne. In dem Aufrufe des Komitees für die Wahl des Herrn von Stakhausen wurde dem antisemitischen Kandidaten Werner außerdem nachgesagt, daß er aus den ihm von Herrn Haßbach-ILeisenbo:n öffentlich ins Gesicht geschleuderten Vorwurf, sein Ehrenwort falsch abgegeben zu haben, kein Wort der Erwideung habe finden können. Bemerkenswert war die am 15. Mai in der „Hersfelder Zeitung" veröffentlichte Erklärung des von dem Zentrum vorgeschlagenen Kandidaten Richard Müller-Fulda: „Ich trete ein für die Erhaltung aller durch die Verfassung gewährleisteten Volksrechte, insbesondere für die Erhaltung des allge-