Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 415 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 415 der Gedankenarmut zu verhüllen. Wie dies selbst im antisemitischen Lager empfunden wurde, zeigte die nicht witzlose Kritik, welche die Magdeburger „Sachsenschau" an den Versammlungsberichten ausübte. Unter der Ueberschrift „Heiteres aus Berlin" Zitierte das Magdeburger Antisemitenblatt aus den Trompetenstößen des hauptstädtischen Antisemitenorgans folgende Leistungen: „Das deutsche Volk ist erwacht, es erachtet den Zeitpunkt für gekommen, die Macht des Judentums zu brechen und sich wirtschaftlich aus dem Banne jüdisch-manchesterlicher Fesseln zu befreien. Die gestrige Versammlung reichstreuer Wähler, die von dem Kreisverbande der Konservativen des fünften Berliner Reichstagswahlkreises nach dem „Alten Schützenhause", Linienstraße einberufen worden war, lieferte durch den überaus Zahlreichen Besuch, sowie durch die begeisterte Stimmung, die die Versammlung durchwehte, den Beweis für dieses Erwachen deutschen Gerstes, deutscher Kampfesfreudigkeit." Angekündigt war jene kampfesfreudige Versammlung mit den Worten: „Reichstreue Männer, die ihr unter keinen Umständen dulden dürft, daß die Gegner am 16. Juni die Siegespalme erringen, erscheint heute abend Mann für Mann im „Alten Schützenhause," um unseren Feinden zu zeigen, daß auch im 5. Reichstagswahlkreis, wo das Judentum in Handel und Wandel besonders schädigend wirkt, das Nationalbewußtsein noch nicht erloschen ist! Darum auf, ihr nationalen Männer, auf nach dem „Alten Schützenhaus!" Dazu bemerkt die „Sachsenschau" sarkastisch: „Das Erwachen des deutschen Geistes in Berlin ist immer fürchterlich, besonders nachts um %4 Uhr. Heil, Heilo, Heil!" Sie hätte auch hinzusetzen können, „noch fürchterlicher früh 6 Uhr, wenn Herr Bruhn mit seinen intimsten Genossen den ermüdeten Geist durch Eindringen in ein Kaffeehaus wieder auszufrischen sucht." Herr Bruhn, der bisher mit der unablässig betriebenen Mandatsjagd wenig Glück hatte, dieselbe aber zuletzt unter konservativer Hilfe mit doppeltem Eifer betrieb, um als Volksvertreter der Verbüßung der ihm im „Staatsbürger-Zeitungs"-Prozeß zuerkannten Gefängnisstrafe zu entgehen, hat im Agitieren das Menschenmöglichste geleistet. Was ihn bei seinen Kämpfen besonders verstimmte und irritieren mußte, war, daß ihm die Vertreter des Bundes der Landwirte und des Zentrums nicht denselben Vorschub leisteten wie die Konservativen. In dem vielumstrittenen Wahlkreise Deutsch-Krone stritt er wild für seinen Schützling, den Lehrer Berg in Heinersdorf gegen den bisherigen Vertreter des Kreises, den sreikonservativen Geheimrat Gamp, den Kandidaten des Bundes der Landwirte v. Hartmann und den