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Im deutschen Reich · 1903-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1903) · p. 404

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1903)
Article
Warum und wo kolonisiert werden muß
Date
1903-06-01
Page
404 (sequence 3)
Language
German
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404 Im deutschen Reich- Zuflucht finden. Unendliche Flächen Landes in allen klimatischen Abstufungen sind noch zu haben, und im Vergleich zu Palästina gibt der Wasserreichtum jenen Strecken einen Vorzug, der durch nichts, auch durch die Imponderabilien des Gefühls nicht ausgewogen wird. Freilich wird man auf die nicht ganz befriedigenden Erfolge in Argentinien Hinweisen. Allein die Resultate sind daselbst an dem Maße anderer gemessen nicht so klein, im Gegenteil ist der Stand der Colonisten, wenn man den Berichten der „ JCA/J glauben darf, ein guter. Haben es einzelne doch sogar zu beträchtlichem Wohlstand gebracht, während fast gar keine sich in bedrohlicher Notlage befinden. Dann aber soll nicht geleugnet werden, daß die Heuschreckenplage und der Holzmangel in der Tat schwer empfundene Uebel bedeuten, die den Mut etwas herabstimmen könnten. In Nordamerika sind aber diese Mängel, die eine Colonisation so sehr erschweren, nicht zu fürchten. Was aber am meisten das Fortschreiten des Colonisierungswerkes hemmt und dasselbe erklärlicherweise in engeren Grenzen hält, das ist der Umstand, daß kein jüdisches Centrum in der Nähe ist, das stets neue Ansiedelungsscharen liefern könnte. Schon aus diesen äußeren Gründen hat Argentinien als Colonisationsgebiet keine große Zukunft. Die ungeheure Entfernung von den Herden der jüdischen Bevölkerung im Verein mit unerschwinglichen Beförderungskosten lassen Südamerika für die jüdische Masseneolonisation nicht in Betracht kommen. Nordamerika besitzt aber ein Riesenghetto und ein Massenelend, das schreiend nach Abhilfe verlangt. Grotzangelegte Colouisationswerke brauchten um neuen Zuzug nicht verlegen zu sein. Es wäre ein großer Segen, wenn das New- Aorker Ghetto sich zu lichten anfinge, wenn Sonne und Licht auch dort einzöge und ein frischer Lufthauch der stickigen und ungesunden Atmosphäre Raum machte. Jetzt stehen die Dinge so, daß man die in den 90 er Jahren in ungeheuren Dimensionen vor sich gegangene Flucht nach Amerika nickt mit Freude begrüßen, sondern nur tief bedauern kann. Die Verhältnisse der Auswanderer haben sich zwar geändert, aber nicht gebessert, der Ort ihrer Leiden ist zwar nach einem anderen Erdteil verlegt, aber dieses selbst kaum gemildert worden. Nimmt man dazu die hygienische Schädigung, die in der Verpflanzung aus einer Klein- oder Mittelstadt nach dem verpesteten Zentrum einer Stadt von beinahe 4 Millionen Einwohnern liegt, so kann man in der Auswanderung nach New-Uork alles andere eher denn eine Verbesserung der Lage ansehen. Ist New-Mrk der rechte Boden für eine physische Ausbesserung einer so schwer leidenden Rasse, oder muß nicht die begonnene Regeneration dort erst recht ihre tausend Polypenarme

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