Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- Warum und wo kolonisiert werden muß
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 403 (sequence 2)
- Language
- German
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Warum und wo kolonisiert werden muß- 40c aufgegeben werden. Aber man ist nicht lediglich auf das Stückchen Palästina angewiesen. Ist man denn dort auch nur um einen Schritt vorwärts gekommen? Türmen sich nicht ungeahnte Schwierigkeiten besonders politischer Natur dem leisesten Versuch entgegen, in Palästina den schönen Entwürfen reale Gestalt zu geben? Aber trotz der in graue Nebel der Zukunft gerückten Erfüllung der Verheißungen sollen die Palästina-Begeisterung und die für das heilige Land gehegten Hoffnungen nicht gescholten werden. Aber jugendliche und noch so ehrliche Begeisterung darf den freien Ausblick in die Welt der hart im Raum sich stoßenden Dinge nicht trüben. Man möge ruhig der Entwirrung all der Schwierigkeiten, die einer gedeihlichen Ansiedelung in Palästina Zur Zeit die Wege versperren^ entgegensehen. Aber man vergeude keine Zeit und gehe tatkräftig dort vor, wo ein praktisches Vorgehen nicht auf solche Hinderniffe stößt. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um mit Erfolg zu colonisicren? Unbedingt erforderlich sind doch möglichst größte politische Freiheit, Sicherheit der Zustände, Abwesenheit von fanatischem Haß und am wichtigsten freier Spielraum. -Wollte man die Brauchbarkeit Palästinas für unsere Zwecke an diesen Maßstäben prüfen, man käme schwerlich zu einem besonders erfreulichen Resultat. Manche dieser unerläßlichen Vorbedingungen erfüllt Palästina durchaus nicht. Man kann vielleicht mit einiger Bestimmtheit auf die Huld des jedesmaligen Beherrschers aller Gläubigen rechnen, nicht aber auf einen gesetzlichen Zustand, der eine freie politische Entwickelung ermöglicht. Palästina soll hier indes nicht unter die Lupe der Zweckmäßigkeit für die Colonisierung genommen werden. Aber schon eine oberflächliche Betrachtung wird das heilige Land nicht als das für unsere Besiedelungszwecke einzig mögliche ansehen können. Die gleichen Vorzüge werden sicher auch Landstriche unter englischer und amerikanischer Oberhoheit besitzen. Und welche gewaltigen Aussichten eröffnen sich da! Ungeheure Gebiete, fast umsonst zu haben, warten noch der culturellen Erschließung in den Vereinigten Staaten, von andern ganz zu schweigen. Die Grundlagen für eine gedeihliche Entwickelung sind ohne weiteres vorhanden. Die politischen Verhältnisse, die gesetzlichen Einrichtungen, die ausgedehnteste Bewegungsfreiheit sind von einer idealen Höhe und bilden eine notwendige Basis für colenisatorische Unternehmungen größten Stils. Nirgends wie' hier unter dem Banner voller Gleichberechtigung würden die armen, verfolgten und geknechteten Juden eine so sichere und behagliche