Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- Warum und wo kolonisiert werden muß
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 405 (sequence 4)
- Language
- German
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Warum und wo kolonisiert werden muß. 405 nach den gehetzten und geplagten Opfern liebloser Willkür und knechtischen Druckes ausstrecken? Wenn die russischen Juden in ihrer Heimat infolge ihrer Einengung in kleine Gebiete und geistiger Knebelung dem allmählichen Verfall entgegengehen, so bedeutet die Kasernierung in den amerikanischen Millionenstädten die schnelle und sichere leibliche und moralische Entartung, aus der es keine Rettung mehr gibt. Aus Druck und Not und Unterjochung ist immer noch ine Befreiung gefolgt, aber die Verkümmerung und Entartung, die natürlichen Begleiterscheinungen des Großstadtlebens in Verbindung mit der physischen Knechtschaft des Schwitzsystems können nur den Untergang erzeugen. Um diesen Zerstörenden Elementen entgegenznarbeiten, gibt es nur ein Mittel: statt der Fabrikssrohn, in der die New-Iorker Juden schmachten, ländliche und landwirtschaftliche Berufstätigkeiten. Keine Anstrengungen dürfen die amerikanischen Juden scheuen, um dieses gewaltige Ziel, eine Ausbesserung und Auffrischung der jüdischen Rasse, zu erreichen. Die vielen landwirtschaftlichen Schulen, die in Europa in den letzten Jahren entstanden sind, werden die notwendigen Hilfskräfte und Pioniere liefern, aber das nötige Terrain zu Judenansiedlungen kann es nicht hergeben. Das kann nur der mächtige und weite Erdteil jenseits des großen Wassers. Damit soll anderen Kolonisationsbestrebungen keineswegs entgegentreten werden. Wo größere Gebiete in nicht zu weiter Entfernung von jüdischen Bevölkerungszentren den nötigen Raum dazu gewähren, wöge man jüdische Ansiedlungen im größeren Umfange, anlegen, sei es in Palästina oder Anatolien oder sonstwo. Aber niemand wird Nordamerika bei nüchterner Betrachtung die Fähigkeit zu ausgedehnter Kolonisierung absprechen können. Die Judenheir muß sich darüber klar werden, daß die Zukunft unter dem Zeichen der Kolonisation steht. Politische, wirtschaftliche und hygienische Gründe verlangen gebieterisch die Inangriffnahme dieses Werkes. Es darf keine Zeit versäumt werden. Freilich mit kleinen Mitteln läßt sich an eine solche Riesenausgabe nicht herantreten. Die Ausführung dieser Idee stellt gewaltige Anforderungen an die finanzielle Energie und Opferfähigkeit. Ist aber einmal erst die Erkenntnis gewonnen, daß das der einzige Weg zur Beseitigung des jüdischen Massenelends ist, so werden sich auch die notwendigen Mittel und Kräfte finden, die stch in den Dienst der großen Sache stellen.