Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- Warum und wo kolonisiert werden muß
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 402 (sequence 1)
- Language
- German
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402 Im deutschen Reich. Warum und wo kokonistert wer den muß. Von Bernhard Traubenberg. (Sibluß.) Die inhaltsschwere Frage, wohin mit den geplagten Juden? ist im letzten Jahrzehnt wiederholt aufgeworfen und ihre Beantwortung Zu einem Schibbolet geworden, das die Juden in zwei Lager spaltet. Immerhin hat der Zionismus das Verdienst, erkannt zu haben, daß es keine Lösung der brennenden Frage bedeutet, wenn das Ghetto von Wilna in das lOmal so große Ghetto von New-Aork hineingepfropft wird, oder wenn die Judenschaft von 100 kleinen Städten in den physischen und moralischen Schmutz Whitechapels untertaucht. Mit der politischen Befreiung ist namentlich in unserer Zeit ein so kompliziertes Problem nicht gelöst. Mit der Verpflanzung in die Großghettis des Westens ist die Lage womöglich noch verschlimmert, denn nun tritt zur wirtschaftlichen auch noch eine körperliche Verelendung. Die Juden, die der Zusammenpferchung, der Ghettoatmosphäre des Ostens zu entrinnen glauben, kommen vom Regen in die Traufe. Ein feit 2 Jahrtausenden in die Miasmen der Städte gebannter Stamm sollte sich endlich mehr von der freien Gottesnatur umbrausen lassen, statt in den modernen Weltstädten sich so fest Zusammenzupressen. Zu der geistigen muß sich eine körperliche Wiedergeburt und Ausfrischung gesellen. Ja, die letztere muß die ernste Sorge derer sein, die an der Verbesserung der Lage der Juden, insbesondere der östlichen, arbeiten. Es ist unverständlich, warum Palästina, wie die Zionisten sagen, der einzig mögliche Flecken auf der weiten Erde sein soll, der sich zur Ansiedelung für Juden eignet. Gewiß, die Gründe, die angeführt werden, sind sehr ehrenwert. Halt man aber diesen Gründen die Erwägungen gegenüber, die gegen Palästina sprechen, so braucht man zum mindesten nicht an der einseitigen Bevorzugung des heiligen Landes festzuhalten. Den immer wieder eigensinnig betonten Imponderabilien halten die praktischen Bedenken und Unmöglichkeiten doch das Gleichgewicht. Der Grundgedanke einer möglichst kompakten Sammlung der Judenheit darf freilich bei Verwirklichung der Ansiedlungspläne nicht