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Im deutschen Reich · 1903-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1903) · p. 385

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1903)
Article
Das Trauerspiel von Kischinew
Date
1903-06-01
Page
385 (sequence 3)
Language
German
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Das Trauerspiel von Kischinew. L85 rauben; ihr blieb die Ermordung des Bauernknaben in Dubossary ein MLualmord", und in den rumänischen NachbarstädLen fand diese Hetzerei ein um so lauteres Echo, als kurz vorher schon die rumänische Zeitung „Vocea Tutovei" in einer ganzen Reihe von Artikeln den Nitualmord als eine alte Einrichtung des Judaismus bezeichnet hatte. In ihrem Schlußartikel befand sich nachstehende Bemerkung: „.Die oon den Juden neuerdings in Oesterreich, Böhmen, Ungarn, Deutschland und Rußland begangenen Ritualmorde sind noch frisch in jedermanns Gedächtnis. Wieviele Kinder sind aber in unserem eigenen Lande verschwunden? Wieviele verstümmelte Körper wurden gesunden, während die Verbrecher unentdeckt geblieben? Wer sind diese Verbrecher, diese blutdürstigen Mörder unserer lallenden Kleinen? Die 600 000 fanatischen Juden sind es, die unser Land verpesten. Diese Bestien sind die Schlächter unserer christlichen Kinder. Die Juden sind die Verbrecher, sie, die unser Land wie Heuschrecken überfielen. . . Die Zeit ist vorbei, wo man mit friedlichen gesetzlichen Einschränkungen wirken konnte. Alle guten Rumänen sollten ihre schweren Stöcke schwingen und diese -Parasiten ihres Landes vertilgen." — Die „Neue Freie Presse" veröffentlicht einen Privatbrief aus Rumänien, worin mitgeteilt wird, daß die antisemitische Presse Rumäniens das Volk aushetze, gegen die Juden vorzugehen wie in Kischinew. Die Regierung tue nichts, obwohl es leicht sei, die Bewegung im Keime zu ersticken. Von der rumänischen Regierung ist auch nichts dagegen geschehen, daß die „V0663. Tutovei“ ihre im unverfälschten Pückler - Stil gehaltenen antisemitischen Herzensergüsse in Broschürenform veröffentlichte, Obgleich dieser Artikel mindestens eine deutliche Aufforderung zum Landfriedensbruch enthielten. Der betreffende Zensor hat zweifellos angenommen, daß bei dem „patriotisch und religiös" gestimmten Verfasser das „Schwingen der schweren Stöcke" auch nur „bildlich" aufzusassen sei! Die milden Zensoren in Bukarest und Jassy sind unverkennbare Wahtverwandte des Vizegouverneurs von Kischinew, Ustruga, der nebenbei das Zensoren-Amt versieht und in den zur Mißhandlung der Juden in schärfster Weise aufreizenden Artikeln des „Bessarabez" nichts gefunden hat, was ihm zum Eingreifen oder zu ernsten Mahnungen seines „Freundes" Kruschewan Anlaß geben konnte. Wie der „Nation" mitgeteilt wird, erfreut sich übrigens der Redakteur des .Bessarabez", Kruschewan, der besonderen Protektion des Ministers des Innern, von Plehwe, der ihm zurHeranoga.be der Zeitung „Snamja" in Petersburg eine Unterstützung von 25 000 Rubel gewährte. Eine

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