Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 363 (sequence 4)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 363 geschieden sind, insbesondere des in Meran verstorbenen Geheimen Regierungsrats Dr. Moritz Lazarus, und die Versammlung ehrte das Andenken der Verblichenen durch Erheben von den Sitzen. Wiederhol: von Kundgebungen lebhafter Zustimmung unterbrochen, besprach hierauf der Vorsitzende die Tätigkeit des Vorstandes, die mühsam verhüllte Angst der Antifemitenpresfe bei der Besprechung der Knochenfunde in Könitz, die Reichsgerichtsentscheidung über die Revision der Herren Bruhn und Dr. Bötticher und die bevorstehenden Reichstagswahlen, bei welchen Bruhn durch ein Mandat der Verbüßung der Strafe einstweilen zu entgehen hofft. Hierbei erklärte der Vorsitzende, daß der Central-Verein, sowohl in volitischen als auch in religiösen Dingen sich grundsätzlich neutral verhalte, sich für keine politische Partei in's Zeug lege, sondern es nur seinen Mitgliedern zur Pflicht mache, möglichst zu verhindern, daß ein Antisemit in's Parlament komme. Es empfehle sich, überall, wo ein Antisemit kanliüere, den aussichtsvollsten Gegner desselben zu unterstützen. Eine treffliche Handhabe zur Beurteilung der Sachlage biete die kleine Schrift „Antisemiten im Reichstage," deren Verbreitung sehr wünschenswert und die im Dereinsbureau für 15 Pf. pro Exemplar erhältlich fei, auch auf Wunsch für diesen Preis portofrei zugesandt werde. Mit Rücksicht auf die bevorstehenden Verhandlungen über die Handelsverträge habe sich der Vorstand an die Zentralstelle zur Vorbereitung der Verträge, sowie an alle Handelskammern mit der Bitte gewandt, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß bei dem Abschluß eines neuen Handelsvertrages die in Rußland übliche unwürdige ungleichmäßige Behandlung der deutschen Kaufleute nach ihrer Konfession beseitigt werde. Eine große Anzahl der Handelskammern habe bereits zustimmende Erklärungen abgegeben. Auch ferner werde der Vorstand bemüht sein, das Vertrauen zu rechtfertigen, welches die Vereinsmitglieder in ihn setzen; dieselben möchten sich aber ihrerseits bemühen, den Verein zu vergrößern und zu kräftigen, damit er mehr und mehr eine segensreiche Tätigkeit entfalten könne. (Lebhafter Beifall.) — Daran schloß sich eine lebhafte Diskussion, in welcher auf verschiedene Anregungen die Herren Rechtsanwälte Dr. Horwitz und Sonnenfeld die Stellung des Vorstands präcisterten. Insbesondere betonte dabei der Vorsitzende, daß in Wahlkreisen, wo kein antisemitischer Kandidat irgendwelche Aussicht auf Erfolg habe, für den Vorstand jeder Grund entfalle, sich für die Agitation irgendwie zu interessieren, da ihm keine andere politische Parteitätigkeit als die Abwehr einer judenfeindlichen Bewegung, obliege. Bezüglich des „Bundes der Kaufleute" könne er den Glaubensgenossen nur raten,