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Im deutschen Reich · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. 362

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-05-01
Page
362 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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862 Zm Deutschen Reich. alexandrischen Juden Philo erhalten geblieben ist, zeugen auch viele Äußerungen nichts.üdifcher Schriftsteller vonStrabo, Seneca, Suetonius, Tacitus, Juvenal u. a. m., die es als kaum faßbar hinstellten, daß der Besiegte es dahin bringe, dem Sieger Vorschriften zu machen. Nach solchen mächtigen Erfolgen war eine Reaktion unausbleiblich; das angegriffene Heidentum wehrte sich mit den vergifteten Waffen der Lüge und Verleumdung. Der antisemitische Marktschreier Apion, den Tiberius „seine eigene Trompete" nannte, bezeichnete die Juden als Abkömmlinge von Aussätzigen, ihre Laubhüttenfeier als ein Bachusfeft, ihren Sabbat als den Schutz der Trägheit, ihr Idol als einen Eselskops, beschuldigte sie, alle Jahr einen Griechen zu opfern u. dergl. m. und so lächerlich, wie diese Lügen waren, damals wie heute bewährte sich der Spruch „Calumniare audacter, semper aliqnid haeret!“ Was die von den Römern weiter verbreiteten griechischen Verleumdungen nur halb bewirkten, das vollendete der Zwiespalt im jüdischen Lager, der begreifliche Widerstand der konservativen Juden gegen den seichten Rationalismus der vorchristlichen Gnostiker. Diese innere Spaltung kam der neuen Lehre zu gute. Das Christentum erntete, was die Juden gesät hatten, die mit dem Heidentum nicht paktieren konnten und wollten und daran recht taten. Daß sie nicht paktierten, muß man ihnen danken, denn wenn auch dabei eine kraftstrotzende Bewegung sich verflüchtigte, das Judentum blieb wie es war, und hat dadurch alle Stürme überdauert, nicht nur zum eigenen Segen, sondern auch zu dem der Menschheit. Wer die Zeichen der Zeit versteht, der kann in dem jetzigen krampfhaften Ringen der sogenannten „wissenschaftlichen Antisemiten" nur die Scheu vor der unverwüstlichen Kraft des Judentums erkennen und sich in der Ueberzeugung bestärkt fühlen, daß das Judentum sich erhalten wird und muß, um Zeuge zu werden der allgemeinen Anerkennung des einigen einzigen Gottes, und um feine große Mission zu erfüllen, die reinste Moral zum Gemeingut zu machen. — Langanhaltende und sich mehrfach wiederholende lebhafte Beifallskundgebungen zeugten von dem tiefen Eindruck, den diese Ausführungen erzielten, und dann lieh der Vorsitzende den Empfindungen der Versammlung beredten Ausdruck, indem er zugleich dem Redner im Namen des Vorstandes dankte und alle Anwesenden veranlaßte, durch Erheben von den Sitzen den Vortragenden zu ehren. — Hierauf bot der Vorsitzende eine längere Reihe interessanter geschäftlicher Mitteilungen, welche die erfreulichen Ergebnisse der Propaganda der letzen Monate betrafen. Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz gedachte ferner in ergreifenden Worten mehrerer hochverdienten Vereinsmitglieder, die in letzter Zeit dahin-

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