Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 361 (sequence 2)
- Language
- German
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VereinsnachrichLen. 361 Vorträge über „die jüdische Propaganda in der hellenisch-römischen Zeit". Der Vortragende verwies unter dankbarer Anerkennung des im Verlaufe eines Jahrzehnts von dem Central-Vereine auf dem Gebiete der Abwehr Geleisteten Zunächst auf die Notwendigkeit, dem „Antisemitismus in der Wissenschaft" besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da dieser Antisemitismus der gefährlichste und rastlos bestrebt sei, den Nimbus des auserwählten Volkes diesem vom Haupte Zu reißen. Durch die Gnade der Vorsehung habe aber diese Bewegung auch eine heilsame Folge, indem gerade durch die Anfeindungen christlicher Theologen die Vergangenheit des Judentums Gegenwartsproblem geworden sei, eine wissenschaftliche Tagesfrage, die nun auch in der Judenheit das höchste Interesse erwecke. Und daß es gerade das jüdische Altertum ist, das angegriffen erscheint, um das gestritten wird, ist von besonderem Werte. Denn das jüdische Mittelalter war allerdings groß im Dulden, aber arm an Selbstbewußtsein und schöpferischen Gedanken. Das jüdische Altertum dagegen war voll Kraft, voll Kühnheit und Gedankenreichtum. Und das brauchen auch wir. Wir müssen deshalb uns an dem jüdischen Altertume emporranken, in dem eine gottbegeisterte Minderheit sich berufen gefühlt hat, die heidnische Umgebung aus tiefer Verkommenheit Zu reiner Gotteserkenntnis und hoher Sittlichkeit emporzuziehen. Mit zündender Begeisterung schilderte nun der Vortragende als eine solche Epoche hohen jüdischen Aufschwungs die Zeit nach dem Tode Alexanders des Großen bis zur Entstehung des Christentums; er ließ dabei an dem geistigen Auge der Hörerschaft das Bild einer Kulturentwickelung vorüberziehen, zu der das Genie des großen Mazedoniers, welcher den Orient und den Occident geistig vereinigen wollte, die erste Anregung gegeben hatte. Von seiner Gründung, der großen Kulturstätte Alexandrien, ging nicht nur die Gräzisierung weiterer Gebiete aus, sondern auch das Bestreben der zahlreich nach Egypten gezogenen Juden, in den höchsten geistigen Errungenschaften der Griechen Berührungspunkte mit dem Judentume zu finden und den Urquell jener Errungenschaften in der heiligen Schrift zu suchen, deren Uebertragung ins Griechische, die „Septuaginta", Anstoß gegeben hat zu einer mächtigen Propaganda des Judentums. Gegen die Tatsache, daß durch die Vorschriften der Religion die jüdische Moral weit reiner als die griechische gestaltet worden fei, konnten selbst entschieden judenfcindlich gesinnte Heiden nichts einwenden. Dies erleichterte noch die beispiellose, glaubenseifrige jüdische Propaganda, die eine fruchtbare jüdisch-hellenische Missions-Literatur zeitigte, von der uns die aus dem 2. Jahrh. v. Ehr. stammende „Jüdische Sybille" erhalten ist. Von den bedeutenden Erfolgen jener Propaganda, deren Programm durch den.