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Im deutschen Reich · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. 350

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-05-01
Page
350 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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350 Im deutschen Reich. beschönigt werden, ist ein neuer Beweis dafür, wie der Antisemitismus die sittlichen Begriffe verwirrt. Es ist hohe Zeit, daß endlich die Traktatmächte ein ernstes Wort mit den jetzigen Machthabern in Rumänien sprechen, um dieser Wirtschaft ein Ende zu machen. Mit den zahmen Ermahnungen zur menschlichen Behandlung der rumänischen Juden ist bisher nichts ausgerichtet worden. Auf eine bezügliche Interpellation im österreichischen Abgeordnetenhaus erklärte der Ministerpräsident am 1. Mai, die österreichisch-ungarische Regierung habe in den letzten Jahren wiederholt der befreundeten Bukarester Regierung eine Besserung des Looses der rumänischen Juden nahegelegt. Sie werde auch in Zukunft sich nicht abhalten lassen, bei einer sich darbietenden Gelegenheit eine günstigere Gestaltung der gegenwärtigen Lage der rumänischen Juden zu befürworten und es dürfe wohl der Hoffnung Ausdruck verliehen werden, daß auch in dieser Frage die fortschreitende Entwickelung der Verhältnisse eine Wendung zum Besseren schaffen werde. — Durch solche zarten Winke wird die Wendung zum Bessern kaum herbeigeführt werden; weit eher wird die Not die Rumänen zwingen, menschlich zu sein. Wenn eine Regierung die Rechtlosigkeit der Juden zum Staatsprinzip erhebt, dann gibt es immer Elemente der Bevölkerung, welche glauben, sich gegen eine wehrlose Minderheit alles erlauben zu dürfen. Der zum Himmel schreiende Frevel, der an den orthodoxen Osterfeiertagen in der bessarabischen Stadt Kisch in ew begangen worden ist, wäre unmöglich gewesen, wenn die russische Regierung ihren jüdischen Untertanen die Rechte und den Schutz gewährte, der ihnen mit Unrecht vorenthalten wurden. Das angerichtete Elend, das zu beschreiben die Feder sich sträubt, hätte auch nicht solche großen Verhältnisse annehmen können, wenn nicht die Behörden zwei Tage hindurch alle Schandtaten des Pöbels geduldet und erst dann dem Gräuel Einhalt getan hätten, als endlich strenge Weisungen aus Petersburg eintrafen. Seit Wochen war bereits eine wilde Hetze gegen die Juden in Bessarabien im Gange; bei dieser Agitation zeigte sich der antisemitische Gutsbesitzer Sch erb an als Leiter und er fand indem Redakteur Kruschewan, dem Herausgeber des in Kischenew erscheinenden Blattes „Bessarabetz" und der in Petersburg erst neulich gegründeten Zeitschrift „Snamja" (Fahne), einen leidenschaftlichen Helfershelfer. Die Ermordung des Christenknaben Rybalenko im Städtchen Dubossary gab diesen Blättern den willkommenen Anlaß, von einem Ritualmord zu sprechen, was beider unwissenden christlichen Bevölkerung von Bessarabien vollen Glauben fand. Die darauf bezüglichen von Kruschewan veröffentlichten Hetz-

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