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Im deutschen Reich · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. 341

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-05-01
Page
341 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Umschau. 341 daß es Pflicht der deutschen Juden sei, dort sich energisch am Wahlkampf zu beteiligen, wo der Erfolg eines antisemitischen Kandidaten zu verhindern ist, veranlagte die „Staatsbürger-Ztg." zu der folgenden charakteristischen Bemerkung: „Die antisemitischen Kandidaten wird der Flankenangriff der Herren Juden wenig kümmern. Eine Frage an den verehrlichen Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sei uns jedoch gestattet. Die Herrschaften betonen immer so sehr ihren Patriotismus und behaupten, vermöge des ihnen innewohnenden patriotischen Geistes zu den höchsten Aemtern im-Staat berufen zu sein. Warum betätigen sie diesen Patriotismus nun nicht bei den Wahlen dadurch, daß sie die sozialdemokratischen Kandidaturen zu Falle zu bringen suchend Das wäre eine wirkliche Probe aufs Exempel des Patriotismus. Davon wollen unsere verehrlichen Staatsbürger jüdischen Glaubens aber nichts wissen, dieweil die Sozialdemokraten ihre Bundesgenossen sind, dieweil sie sich alsdann also selbst bekämpfen müßten. Ein schöner Patriotismus!" — Entweder ist das Antisemitenblatt über die politische Stellung der deutschen Juden sehr schlecht unterrichtet, oder es kennzeichnet dieselbe absichtlich falsch, denn für die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens gibt es kein gemeinsames politisches Glaubensbekenntnis; sie gehören den verschiedensten politischen Fraktionen an, selbstverständlich nicht solchen, die sich ihnen grundsätzlich verschließen oder sie gar feindselig bedrohen. Zn keiner einzelnen Partei erkennen sie einen gemeinsamen Bundesgenossen, aber sie haben einen gemeinsamen Feind, den eklen Neidwurm, welcher in gefährlichster Weise die Wurzeln der herrlichen germanischen Weltenesche benagt — den Antisemitismus! Diesen in seinen modrigen Schlupfwinkel zurückzudrängen und unschädlich zu machen, heißt nicht nur dem Judentum nützen, sondern dem deutschen Vaterlande einen unschätzbaren Dienst leisten! Dabei betätigen wir in Wahrheit „einen schönen Patriotismus" und einen richtigeren politischen Blick als die Anhänger jener Parteien, welche das anarchistische Treiben der Antisemiten täglich vor Augen haben und trotzdem von dem Wahne befangen sind, mit Hilfe von katilinarischen Existenzen „staatserhaltende" Ziele erreichen zu können. Dazu sind Leute sicher verdorben, deren Grundsatz lautet: ,,Omnibus obesse, prodesse nemini“ oder vielmehr „allen zu schaden, und nur sich selbst zu nützen". Das Bedenkliche, mit solchen Elementen zusammenzuarbeiten, verhehlen sich die Konservativen nicht, aber bei vielen ihrer Parteigenossen besiegt die judenfeindliche Gesinnung jedes Bedenken. . Davon zeugen nachstehende Sätze aus dem von dem Vorstände der ^Deutschen konservativen Partei" herausgegebenen Wahlbüchlein: „Die Anti-

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