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Im deutschen Reich · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. 340

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-05-01
Page
340 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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340 Im deutschen Reich. Ml ach seiner Erwählung Zum Erzbischof von Köln hat I)r. Fischer V in einem herzlichen Dankschreiben auf die Beglückwünschung durch den Vorstand der Synagogen-Gemeinde von Jülich versichert, daß sein Wahlspruch ..Omnibus prockosss, obssse nemini“ sei, daß er „allen nützen, niemandem schaden" wolle, und daß er dies auch „gegenüber seinen lieben israelitischen Mitbürgern" bewähren werde." Mit solchen edlen Absichten ein Amt antreten, heißt sein Werk in schöner und vielversprechender Weise beginnen und kaum wird sich ein anderes Wort finden, das einen gleichen harmonischen Widerhall in den Herzen deutscher Juden finden könnte! Im entschiedensten Gegensätze Zu ihren antisemitischen Widersachern sind sie fast immer darauf bedacht, nicht sich, nicht nur ihren Glaubensgenossen, sondern der Allgemeinheit zu nützen, und sie hüten sich schon deshalb, jemandem Zu schaden, weil sie zu oft unter unverdientem Haß und ungerechter Verhetzung zu leiden haben, um nicht alles zu meiden, was ihnen verdienten Haß Zuziehen könnte. Mitten in dem lauten Gewirr stürmischer Wahlagitationen klingt der friedliche Wahlspruch des Erzbischofs von Köln ihnen als liebevolle Mahnung entgegen, auch bei der Erfüllung ihrer Wahlpflicht daraus bedacht' zu sein, allen Zu nützen, auch darin den ihnen eigenen Gemein sinn Zu betätigen, daß sie die Wahl solcher Volksvertreter fördern, von welchen mit Bestimmtheit zu erwarten ist, daß sie nichts rühriger erstreben werden als den inneren Frieden des deutschen Vaterlandes und das freundliche Zusammenwirken der Bekenner der verschiedenen Religionen an dem hohen Werke der Volkswohlfahrt. Den deutschen Juden verpflichtet seine Religion nicht, sich einer bestimmten politischen Partei anzuschließen; es gibt kein politisches jüdisches Zentrum und wird nie ein solches geben. Welcher Fraktion sich der deutsche Jude anzuschließen hat, ist Sache seiner persönlichen politischen Ueberzeugung; nur einer einzigen politischen Partei, der antisemitischen, gegenüber, befindet er sich notgedrungen in Kampfesstellung. Mit dieser gibt es kein Paktieren, keinen Kompromiß, weil die Antisemiten nicht nur das Judentum beschimpfen und die staatlichen Rechte der Juden bedrohen, -sondern weil sie, „niemandem nützend und allen schadend", die Wohlfahrt des gesamten Vaterlandes zerrütten, Gesetz und Ordnung untergraben, und durch ihr Stigma „der Schmach des Jahrhunderts" dem Ansehen des großen deutschen Kulturstaates Eintrag tun. Die in einer Eentral-Bereins-Versammlung gefallene Aeußerung,

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