Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 316 (sequence 4)
- Language
- German
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316 Im deutschen Reich. Vertragsangelegenheit ist ein Feld, auf dem der Antisemitismus, der seinen internationalen Charakter durch Verhimmelung russischer Einrichtungen und Beschönigung rumänischer Brutalitäten hinreichend bekundet, zu bekämpfen ist. Lange genug ist von staatlicher Seite der widersinnige Mißbrauch geduldet worden, daß der russische Staat sich nicht darauf beschränkt, seine eigenen jüdischen Angehörigen als minderberechtigte Bürger zweiter Klasse zu behandeln, sondern auch die vollberechtigten Bürger anderer Staaten je nach ihrem Glaubensbekenntnisse zu differenzieren, ihnen das Ueberschreiten der russischen Grenze zu verbieten oder den Eintritt an demütigende Bedingungen zu knüpfen und durch die höhere Besteuerung der nichtrussischen jüdischen Handelsreisenden die einfachsten Begriffe der Toleranz und Verkehrsfreiheit verhöhnt. Im Hinblick auf den bevorstehenden Ablauf des deutsch-russischen Handelsvertrages erachteten wir es für unsere Pflicht, die Zentralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen und die Berliner- Handelskammer bereits in einer am 5. November vorigen Jahres abgesandten Eingabe auf die Erschwerungen aufmerksam zu machen, welche die deutschen Gewerbetreibenden jüdischen Glaubens im Handelsverkehr mit Rußland zu erleiden haben. In der Eingabe wurde besonders auf die vom russischen Finanzministerium neuerdings erlassenen verschärften Vor-, fchriften gegen jüdische Handlnngsreisende verwiesen und dann gesagt' „Man wende auch nicht ein, daß die deutschen Juden keine bessere Rechtsstellung in Rußland verlangen können als die russischen Juden. Die russische Regierung hat den Deutschen, der ihr im völkerrechtlichen Verkehr entgegentrith garnicht zu fragen, weß' Glaubens er istT Ihr gegenüber ist er Deutscher, und es ist für die russische Regierung sein Glaubensbekenntnis eben so irrelevant wie die Frage, ob der einzelne Deutsche Bayer oder Preuße, adlig oder bürgerlich, konservativ u.s.w. ist.... Wie dem auch sei, jedenfalls dürfte doch nunmehr bei Verlängerung oder Erneuerung des Handelsvertrages mit Rußland die Zeit zu einem energischen Vorgehen gegen derartige rückständige Bestimmungen gekommen sein. Wenn die Reichsregierung eine weitere Zurückhaltung übt und eine verschiedenartige Behandlung ihrer Untertanen zuläßt, die bei ihr gleiche staatsbürgerliche Pflichten und Rechte haben, so wird das zweifellos in einem großen Teile der Handelswelt schmerzlich empfunden werden." Daß diese Annahme zutreffend ist, ergab sich daraus, daß schon am 9. Dezember v. Js. die Zentralstelle für Verbreitung von Handelsverträgen uns schriftlich mitteilte, daß die in unserer