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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 315

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-04-01
Page
315 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Vereinsnachrichten. •315 deutscher Geschäftsreisender jüdischen Glaubens in Rußland. Der Centralverein habe durch ein Cirkular an sämtliche Handelskammern die Bitte gerichtet, dahin wirken zu wollen, daß bei dem Abschluß des neuen Handelsvertrages mit Rußland die völlige Gleichstellung der jüdischen deutschen Geschäftsreisenden mit ihren christlichen Kollegen ausdrücklich vereinbart werde. Die Wirkung des Vortrages bekundete sich u. A. auch darin, daß zahlreiche Anwesende, die dem Centralverein bisher nicht angehörten, sofort ihren Beitritt erklärten." Die Vereinssache ist auch wesentlich durch höchst dankenswerte Anregungen in den segensreich wirkenden Logen des U. O. B. B. gefördert werden. So haben die Logen in Berlin (Berthold Auerbach), Breslau, Osterode, Stargard, Kempen i. P., Fürth, Görlitz, Halberstadt, Hannover, Würzburg, Halle, Kassel, Frankfurt a. M. und Darmstadt im Verlause von wenigen Wochen dem Vereine gegen 400 neue Mitglieder zugesührt. Ein großes Verdienst ist auch einzelnen Vertrauensmännern unseres Vereins ZuZuschreiben, die, ihres Amtes eifrig waltend, sich rastlos für unsere Sache bemühten, und anderen einzelnen Mitgliedern, die ihre Freunde und Bekannte mit Begeisterung davon zu überzeugen suchten, daß es Ehrenpflicht jedes deutschen Juden ist, in und mit dem Central-Vereine für Wahrheit und Recht, Ehre und Gewissensfreiheit zu kämpfen und seine eigenen heiligsten Güter gegen rohe Angriffe zu schützen. Wie der Verein diesen Kampf führt, ist beute weltbekannt; er braucht nicht die Glocke seiner Taten zu sein, denn das besorgt die gegnerische Presse mehr als gut ist. Aber auch' unsere Freunde wissen es, daß wir nicht rasten und rosten, sondern überall in die Bresche treten, unbekümmert um etwaige Mißerfolge, weil auch schon ein Protest gegen die Vergewaltigung, der in mehr als hunderttausend Herzen mächtig wiedertönt, nichtungehört verhallt, sondern gleich den Posaunen von Jericho die Schranken des Vorurteils erbeben macht. So protestieren wir überall gegen das unfern strenggläubigen Glaubensgenossen von einzelnen Stadtgemeinden angetane Unrecht, das diesen in ihren Schlachthöfen zustehende Hausrecht dahm zu .mißbrauchen, einer Religionsgemeinschaft die Befolgung religiöser Vorschriften unmöglich zu machen. Wir protestieren auch dagegen, weil die von uns gewiß hochgeschätzte kommunale Selbstverwaltung so gehandhabt wird, daß dabei unsere durch Verfassung und Gesetz verbriefte Rechte verletzt werden und der Schlachthauszwang, statt heilsam zu wirken, eine Schlachtmethode erschwert, deren von vielen wissenschaftlichen Autoriritäten anerkannte hygienische Vorzüge sicher nicht verdunkelt würden, wenn ihr ritueller Charakter nicht die Antisemiten aufstachelte, in agitajorischer Weise das „Schächten" zu verketzern. Auch die Handels-

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