Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 314 (sequence 2)
- Language
- German
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OM <5ra veuychen Reich. der Berliner jüdischen Gemeinde zu, denen solche Karten mit der Stistungsftstrede des stellvertretenden Borsitzenden des Central - Vereins. Justizrat vr.Fuchs, zugeschickt wurden. Ueberaus zahlreiche Anmeldungen erfolgten nach allen Vortragsversammlungen, welche der Verein in den letzten Monaten an auswärtigen Plätzen veranstaltete. Bald nach der erfolgreichen Magdeburger Central - Vereinsversammlung, in welcher nach einem Vorträge des Justizrats Dr. Fuchs siebzig Herren ihren Beitritt erklärten, fand am 21. März im Saale des Zoologischen Gartens in Posen eine von 700 bis 800 Personen besuchte Versammlung statt, über welche das „Posener Tageblatt" berichtete: „Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Kürschner, gab in seiner Eröffnungssprache eine Uebersicht über die Tätigkeit des hiesigen Komitees in den Letzten zwei Jahren. Redner des Abends war Dr. Otto Wiesenthal aus Berlin, der in schwungvoller Rede ein Bild gab von dem „Kampf ums Recht", den der Verein seit nunmehr zehn Jahren führt, um seinen Mitgliedern volle Gleichberechtigung mit den Angehörigen anderer Konfessionen zu verschaffen. Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen des Redners." Auch diese von dem Posener Lokalkomitee mit großer Sorgfalt und rühmlichem Eifer vorbereitete Versammlung hat unserm Verein, der dort bereits fast alle Gemeindemitglieder zu seinen Anhängern zählt, wesentlichen Nutzen gebracht. Um die Veranstaltung der am 29. März in Hamburg abgehaltenen Versammlung hat sich der dortige Ortsausschuß, insbesondere Herr Rechtsanwalt Dr. Samson durch seine taktvolle Leitung, Herr Wilhelm Wolfs durch seine rührige Agitation und geschickten Anordnungen sehr verdient gemacht. Das „Israelitische Familienblatt" berichtete über den in dieser Versammlung von Rechtsanwalt Hugo Sonnenfeld-Berlin gehaltenen Bortrag: „Nach scharfer Präzisierung der Ziele des Staatsbürgervereins, der keinerlei Bevorzugung, sondern lediglich und ausschließlich die gleiche staatsbürgerliche Stellung aller Deutschen ohne Unterschied der Konfession, also auch der deutschen Juden im Auge hat, gab der Redner eine durchaus sachgemäße Kritik der Zustände, wie sie diesen Anordnungen nicht entsprächen. Er wies auf die ungleiche, von konfessionellen Gesichtspunkten geleitete Behandlung der Juristen jüdischen Glaubens hm, ging auf die Zurücksetzung der jüdischen Aerzte ein, bei Besetzung von Stellungen in staatlichen Anstalten und beim Militär. In der gesamten deutschen Armee giebt es z. B. nur zwei aktive Militärärzte. Ebenso schlimm stünde es mit der Anerkennung der Gleichberechtigung bei der Anstellung jüdischer Lehrkräfte :c. Im weiteren Verlauf seines Vortrages verwies der Redner auch auf ungleiche Behandlung