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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 301

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
Berlin
Date
1903-04-01
Page
301 (sequence 6)
Language
German
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Korrespondenzen. 301 „Sollten die Fragesteller den Mut haben, „wiederzukommen", so wird man ihnen hoffentlich erwidern, daß mit einziger Ausnahme des Apostels Paulus sämmtliche Apostel getaufte Juden gewesen sind. Auch die verbohrtesten Antisemiten werden nicht zu behaupten wagen, daß alle diese getauften Juden nicht hervorragend berufen waren, als Lehrer der christlichen Religion aufzutreten." — Bischof Neander und Paulus Cassel würden, wenn sie heute noch lebten, vor den Augen der Potsdamer Antisemiten sicher auch keine Gnade finden! Das „Maranentum" ist trotz seiner bedauerlichen Zunahme heutzutage beinahe ebenso wenig Zuträglich, wie zur Zeit der spanischen Inquisition. Der Haß der Antisemiten richtet sich nicht minder gegen die getauften Juden wie gegen die ungetansten und verschont auch die Christen nicht, die sich ihrer neuen Glaubensgenossen anzunehmen für ihre Pflicht halten. Zu diesen gehört der städtische Gememdeschullehrer Otto Pantsch in Berlin, dem die Antisemitenpresse des „Denunzierens" beschuldigt, weil er in den Mitteilungen zur Abwehr d. A° in einer Besprechung des Falles Silberstein geschrieben hatte: „Was der Herr Antisemit Fröhlich in Potsdam der Volksschule und ihren Lehrern schenken will, ist nichts weiter als die Neubelebung der Konduitenliste, eine Gesinnungsriecherei in Anlehnung an die Tage Wöllners, Räumers, Mühlers und Puttkamers, für die sich Preußens Volksschullehrer jedenfalls bedanken werden. Herrn Fröhlich kommt es gar nicht darauf an, den Geist der Volksschule und ihrer Lehrer dem Spitzeltum und der Korruption auszuliefern, wenn er dabei nur auf seine antisemitische Rechnung kommt. Ihm ist es eine Bagatelle, in den gesetzmäßigen Grundlagen der Volksschule, deren Sicherheit und allgemeine Verbindlichkeit allein ihre gesunde Entwickelung verbürgen kann, das Unterste zu oberst zu kehren. Und ein solches Beginnen findet den Beifall des antisemitischen Chorus. Diese verkappte direkte Staatsgefährlichkeit sollte unsere Staatsbehörden doppelt bedenklich machen und sie veranlassen, den Antisemiten auch nicht scheinbar den kleinen Finger zu reichen, wie das leider schon mehrfach geschehen ist. Ganz besonders sollte man diese Lehre aus dem Potsdamer Vorstoß im preußischen Kultusministerium beherzigen." — Für das neuzeitliche „Maranentum" ist ein Geschichtchen kennzeichnend, von dem die „Deutsch-israelitische Zeitung" versichert, daß es nicht erfunden sei: „Ein getaufter JudT in Wien — vielleicht beißt er Br. Schreiber ober ähnlich — heiratete eine getaufte Jüdin. Das ist nichts Neues. Neu ist auch nicht, daß er dadurch eine Staatsstellung erreichte, und daß beide Ehegatten sich

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