Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 302 (sequence 7)
- Language
- German
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m Im deutschen Reich. bestrebten, jo streng als möglich ihr Christentum Zu markieren. Eineo Abends richtete die Frau ein kaltes Nachtmahl an. Unbewußt kaufte sie die Wurst in einer koscheren Selcherei. Der Gatte kommt nach Hause und setzt sich ahnungslos zu Tisch. Eben will er sein „Vater unser" hersagen; auf einmal bleibt ihm das Wort im Mund stecken. Die wohlbekannten Gerüche der koscheren Küche steigen ihm in die Nase - wütend schlägt er auf dm Tisch und schreit seine erschrockene Gattin an: ..Mir scheint's, Franziska, Du schielst wieder auf die andere Seite!" Potsdam, 3. April. Dem Beschlüsse der hiesigen Stadtoerordneten-Versammlung, das Schächten im Schlachthose nicht mehr Zu gestatten, ist bekanntlich der hiesige Magistrat deshalb nicht nachgekommen, Weil er eine Oberverwaltungsgerichtsentscheidung, die in gleicher Angelegenheit die Stadt Angermünde betrifft, abwarten will, Hiergegen beantragte der Bauunternehmer Enders, den Magistrat im Klagewege Zur Ausführung des in der Stadtverordnetenversammlung gedachten Beschlusses zu zwingen. Rechnungsrat Hinze verlangte namentliche Abstimmung über den Antrag, Zog den Antrag aber aus Veranlassung des Stadtv. Töpfer zurück, welcher der Sache keinen politischen Anstrich geben wollte. Schließlich wurde mit 20 gegen 17 Stimmen ein Antrag des Justizrats Dr. Friedländer angenommen, die Sache bis zum 15. Juni Zu vertagen, um die Entscheidung in der Ängermünder Angelegenheit abzuwarten. -f Halberstadt, 10. April. Der „Staatsbürger-Ztg. ist von hier aus eine Klage darüber zugegangen, daß Pastorsrauen in Halberstadt für eine Armenbescheerung Geschenke in dem Warenhause Cohn und dem Hamburger Engroslager (Inhaber W. Eppstein) gekauft hätten. Dieselbe Angelegenheit hat der Berliner „Schriftsteller" Kemper bereits am 31. März in einer Versammlung in Derenbura in einem Dortrage behandelt, welcher für die antisemitische Kandidatur des Professors Dr. Paul Förster Stimmung machen sollte. Dem zum Heerbann des ^Deutschen Dolksbundes" gehörenden Vortragenden war dies nicht besonders übel zu nehmen, wohl aber sind die hiesigen Juden über das Verhalten des Oberpredigers Moldenhauer erregt, der es sich versagte, Herrn Kemper zu entgegnen, daß die Pastorfrauen es für ihre Pflicht gehalten hätten, behufs richtiger Verwendung der Sammlungen bei gleich guter Qualität möglichst billig einzukaufen. Der Herr Oberprediger beschwichtigte vielmehr den Antisemiten durch die kaum mit Billigung der Vorgesetzten Behörden erfolgte Zusicherung, daß rfbic Geistlichen angewiesen worden seien, künftighin ihre Ein-