Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 300 (sequence 5)
- Language
- German
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U«» vk»»|w;v»i i/vvvu^* einem Fachblatt zuzumuten, dem jüdischen Denunziantenverein zuliebe in seinen Spalten Politik, noch dazu in judophilem Sinne, zu treiben, ist dies neue Stückchen des genannten Vereins wieder recht charattensttsch. Er beweist aufs neue die innige Gemeinschaft der internationalen Judenschaft und bezeichnet das Wort „Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" als das, was es eigentlich ist — als faulen Zauber." — Für uns deutsche Inden ist das Mitgefühl mit dem Unglück englischer, christlicher Arbeiter und bedauernswerter russischer Auswanderer jüdischen Glaubens der Zauber reiner Menschlichkeit. Für „faulen. Zauber" halten wir ganz andere Dinge, z. B. den Ritualmordfchwindel, dem gewisse Blätter aus geschäftlichen Gründen systematisch fröhnen, unbekümmert um das Elend, das sie damit anrichten. Unter die Ueberschrift „Potsdamischer Antisemitismus" schreibt die „Volkszeitung": „Mt der Frage, ob ein getaufter Jude christlichen Unterricht erteilen dürfe, wurde die Potsdamer Stadtverordneten-Versammlung behelligt. Schon früher war von dem antisemitischen Stadtverordneten Kaufmann Froehlich zur Sprache gebracht worden, daß in der Gemeindeschule YI der ehemals jüdische Lehrer Silberstein christlichen Unterricht erteile. Der Magistrat Warans diese Angelegenheit nicht weiter eingegangen, weshalb sie jetzt von dem Stadtverordneten Javel bei der Etatsberatung aufs neue angeschnitten wurde. Vom Magistrat wurde geltend gemacht, daß die Beschäftigung des Lehrers von der Schulaufsichtsbehörde kontroliert werde und daß der Lehrer Silberstein von der königlichen Regierung nicht als ungeeignet zur Erteilung des Religionsunterrichts erachtet sei. Stadtverordneter Froehlich behauptete, „weite Kreise der christlichen Bevölkerung" seien durch diese Art von Unterrichtserteilung beunruhigt (??), da Silbersteiu — und nun wagte der antisemitische Redner eine schwere Verdächtigung des Lehrers — „nicht aus Ueberzeugung Christ geworden sei, sondern nur um eine Anstellung zu finden". Stadtverordneter Geh. Rechnungsrat Hinze hielt dem antisemitischen Redner entgegen, daß Silberstein seit 20 Jahren getauft sei, warum, das habe er mit seinem Gott abzumachen; als Lehrer habe er sich bewährt. D ie S tad tv er o r d n e ten-V er samm lu n g sei keine Antisemiten-Versammlung und lasse sich nicht von der Antisemitenpartei ins Schlepptau nehmen. Der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung bereitete der Debatte dadurch ein Ende, daß er erklärte, es handle sich um Personenfragen, die nicht öffentlich zu erörtern wären, weshalb die Fragesteller bei anderer Gelegenheit wieder kommen mögen. Die „Volkszeitung" fügt hinzu: