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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 294

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-04-01
Page
294 (sequence 14)
Language
German
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ueiuiojen- -jicicqder Juden, daun in dem raschen Kulturniedergang und in der Verrohung der ländlichen Bevölkerung durch Aberglauben, Argwohn und Glaubenshatz, aber auch in der beängstigenden Vermehrung der Sittlichkeitsverbrechen, da die „Herren Räuber und Lustmörder" aus dem fleißigen Studium der Antisemitenpresse das besonders in der Zeit vor Ostern säst unfehlbare Mittel des Halsschnittes kennen gelernt haben, um so durch Ablenkung des Verdachtes auf die Juden der wohlverdienten Strafe zu entgehen. Der Hausdiener Oswald Mailau aus Bonn tötete die Anna Schmidt in Altona in der Nacht zum 4. April mit einem Schlächtermesser durch kunstgerechte Durchschneidung des Halses. Auch dieser Mord wäre wahrscheinlich auf das Konto der Inden gekommen, wenn nicht der durch das Geräusch bei der Tat geweckte Logiswirt der Schmidt den nichtjüdischen Täter noch rechtzeitig gefaßt hätte. Mailau, der früher Hausknecht bei einem christlichen Fleischer gewesen, steht im Verdacht, auch der Urheber anderer ähnlicher früheren Untaten zu sein. — Es ist eine bittere Ironie der Tatsachen, daß sich der Bürgermeister der Hauptstadt Rumäniens, I. Bibescu, in einem kürzlich im Druck erschienenen Vorträge behufs Widerlegung des den Rumänen nachgesagten unmenschlichen Judenhasses daraus berufen konnte, daß dort niemals eine Ritualmordbeschuldigung aufgetaucht sei. Die deutschen, österreichischen und russischen Antisemiten werden dies freilich nicht als einen Beweis dafür gelten lassen, daß sie dümmer als ihre Genossen in Budapest und Jassy seien, da sie doch selbst an solchen Unsinn nicht glauben und ihn wider besseres Wissen nur zum Zweck der Aufreizung verbreiten. Sie könnten sich aber auch darauf berufen, daß die rumänischen Judenfeinde das Ritualworderdichten nicht nötig hätten, weil sie die Klinke der Gesetzgebung in der Hand haben und damit ihre Zwecke erreichen, ohne ihre Phantasie anzustrengen. Die von den deutschen Antisemiten krampfhaft betriebenen Vorbereitungen zu den bevorstehenden Reichs tags Wahlen zeigen das Bestreben, selbst die Gesetzgebung zu beeinflussen, ohne den Konservativen zu Gegenleistungen verpflichtet zu sein. Für die darin dem Fürsten Bismarck nachahmenden konservativen Großgrundbesitzer ist der radikale Antisemit nur ein Knappe, der keinen Anspruch auf Entgelt machen und gehen darf „wenn der Mohr seine Schuldigkeit getan hat". Diese Erfahrung hat selbst der frühere Hofprediger Stöcker gemacht und sie wird auch dem dienstfertigen Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg nicht erspart bleiben. Daß keiner der konservativen Abgeordneten für Herrn Stöcker eine Lanze brach, als die -Pfeile der Sozialdemokraten ihn hageldicht im Reichstage

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