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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 295

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-04-01
Page
295 (sequence 15)
Language
German
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Umschau. 295 umschwirrten, veranlaßt sein Organ „Volk" zu einer rührenden Klage, in der es heißt: „Stöcker hatte nicht für sich geredet, sondern er war in dem Angriffe der Vertreter des staatserhaltenden Gedankens gewesen, der die anderen Parteien als einen Gegensatz gegen die Sozialdemokratie zusammenschließt. Aber in der Verteidigung ist ihm keiner beigesprungen. Sie haben ihn ganz allein gelassen. Es waren da doch viele Juristen, die die Sache kannten. Wo bleibt deren Rechtsgewissen? Es waren da eine Menge Edelleute! Wo blieb deren Ritterlichkeit? Es waren da ja auch wohl Christen! Wo blieb deren Teilnahme an dem Kampf gegen Gemeinheit und Bosheit? Nun, Stöcker schadet es nicht, daß er allein steht. Er ist ein starker Mann, und der ist mächtig auch allein. Aber es ist doch betrübend, wie wenig sittliche Energie unter den Vertretern der Parteien zutage tritt." Die Zeiten, wo der Freund von Adolf Stöcker und von Flora Gaß, der Freiherr von Hammerstein-Woßn, die „sittliche" Energie der Konservativen zu vertreten strebte, sind glücklicherweise.vorbei, obgleich vielfach behauptet wird, daß die „Kreuz-Zeitung" jetzt ihre täglichen ftaatsbürgerzeitungsartigen „Berichte aus England" von ihrem aus der engen Klause befreiten ehemaligen Chefredakteur erhalte. Aber die von Stöcker erhobene Forderung der sittlichen Energie unter den Parteien ist jedenfalls eine berechtigte; sie ist eine notwendige Voraussetzung für die Gesundung des politischen Lebens in Deutschland, aber ist es lächerlich, diese Forderung an die offenen Träger oder versteckten Begünstiger der kulturwidrigen antisemitischen Bewegung zu richten. Ein solcher Mahnruf zur sittlichen Energie und zum entschlossenen Zusammenwirken für die von der bürgerlichen Freiheit unzertrennliche Wohlfahrt des deutschen Reiches muß an freiheitliche und vorurteilslose Bürger gerichtet werden! Daß dort diese Mahnung nicht ungehört verhallen wird, davon sind wir fest überzeugt, denn wir können es nur auf Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse zurücksühren, wenn ein Herr Lazare Felix Pinkus zum Gaudium der Antisemiten in einem jüdischen Blatte die ungeheuerliche Behauptung aufstellte, daß „es das tragische Schicksal der liberalen Parteien sei, zum größten Teile vom jüdischen Gelde zu eriftiren und doch für Jndeninteressen nicht mit aller Energie auftreten zu können." Das Hamburger „Israelitische Familienblatt" hat gegen eine solche Beleidigung der freisinnigen Parteien, zu der von jüdischer Seite kein Grund vorlag, mit Recht protestiert. Auch wir stehen aus dem Standpunkte, daß von einer Parteinahme für ,,Judeninteressen" nicht die Rede sein darf, denn die Interessen der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens sind keilte

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