Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 290 (sequence 10)
- Language
- German
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290 Im deutschen Reich. Liebermann v. Sonnenberg versichert weiter, daß er für bei;. Grafen das aufrichtigste Mitleid empfinde, daß er aber die antisemitische Sache „fortgesetzt aufs Schwerste durch sein Auftreten schädigt." Mit ganzer Bestimmtheit müsse, da „der Unfug, den gewisse Leute mit dem Grafen Pückler treiben, Zu groß wird," festgestellt werden, „daß die deutsch-soziale Partei nichts mit dem Treibender Leute zu tun hat oder-gehabt hat, die den Grafen Pückler in Versammlungen reden lassen." Herrn Bruhn werden diese Anwürfe des Herrn Liebermann von Sonnenberg nicht hindern, den zugkräftigen „vornehmen Aristokraten" als „Anreißer" für sein Geschäft weiter zu benutzen, solange die Verwaltungsbehörden nicht an die „Pückler-Vorstellungen" denselben Maßstab anlegen, wie an Versammlungen der politischen Opposition, die nicht erst dann der Auflösung verfallen, wenn der Vortragende seine zu Gewalttätigkeiten aufreizende Rede unbehindert zu Ende geführt hat. Diese außerordentliche milde Auffassung antisemischer Hetzreden in Versammlungen muß notwendig Folgen haben, welche nicht die Juden, sondern viel weitere Kreise empfindlich schädigen. Wenn ein so eingefleischter Antisemit wie Liebermann von Sonnenberg von den „Reformern" mit der Er klärung abrückt, daß es sich dabei nicht um persönliche Abneigungen, „sondern um tiefgehende Verschiedenheit des Geschmacks und der politischen Auffassungen handle", gibt dies gewiß zu denken. Der Geriebenste unter den „Judenfeinden von Beruf" verhöhnt nickt umsonst in den „Deutsch-Sozialen Blättern" die Geniestreiche der „Staatsbürger-Zeitung", erklärt nicht ohne Grund in der „Antisemitischen Korrespondenz": „Uns trennt eine tiefe Kluft von denen, die die Pücklersche Agitation veranlassen oder dulden", und er weiß, was er will, wenn er den Konservativen im Wahlkreise Neustettin die briefliche Erklärung abgibt, daß die Antisemiten seines Schlages „an der Wahl Ahlwardts kein Interesse hätten". Non den „Deutsch-Sozialen", die mit dem „Bunde der Landwirte" eng verbunden sind, haben Bruhn, Pückler, Ahlwardt und Genossen nichts mehr zu hoffen. In Arnswalde erklärte der vom „Bunde der Landwirte" dorthin entsandte Redakteur Herfurth in einer im Hotel „Stadt Rom" veranstalteten Versammlung öffentlich, „die Wahl Bruhns würde eine direkte Schädigung der ländlichen Interessen sein; seine politische Haltung sei wankelmütig, er vertrete nur persönliche Interessen und lasse sich in verschiedenen Wahlkreisen gleichzeitig aufstellen". Für die Juden sind diese Kämpfe innerhalb der antisemitischen Fraktionen nur in;ofern von Interesse, als dabei die