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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 289

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-04-01
Page
289 (sequence 9)
Language
German
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Umschau. 289 Stimmung auf der Rednertribüne der Berliner „Tonhalle" stand, schilderte er als Diston der Zukunft, wie er selbst als Begnadigter kurz vor den Pforten Plötzensees umkehre, die „dreckige Judenbande" zerschmettert am Boden liege, das Banner mit dem Zeichen des Dreschflegels aber aus den Hochburgen Judas wehe und noch vieles andere sehe, über oas sich seine Gemeinde derart ergötzte, daß sie gar nicht aus dem Lachen und Beifallsklatschen herauskam. Das „Kleine Journal" berichtet: „Auch fromme und erbauliche Reden flocht der Mann ans Klein-Tschirne ein. Er ermahnte die verführten sozialdemokratischen Brüder zur Umkehr, zum Glauben, zitierte Luther und Gerhard und schloß mit einigen Versen, deren Füße aus Dreschflegelstielen zu bestehen schienen. Der Jubel kannte keine Grenzen. Nach dem Helden des Abends ergriff Herr Bruhn das Wort und empfahl angelegentlichst einen neugedichteten und komponierten Pücklermarsch." Als unerhörter Skandal war von den „Deutsch-Sozialen Blättern", die auch von der „Deutschen Hochwacht" und anderen Antisemitenblättern berichtete Tatsache bezeichnet worden, daß sich der judenfeindliche Graf Pückler wegen Unpäßlichkeit in ein in der Königgrätzerstraße gelegenes jüdisches Sanatorium begeben habe. Nachdem Pückler in einer am 18. März stattgehabten Versammlung behauptet hatte, daß dies eine „freche Judenlüge" sei, griff er in der Versammlung am 27. März den Abg. Liebermann v. Sonnenberg heftig an, der diese Geschichte in gehässiger Weise aufgebauscht habe. Wenn Liebermann sortfahre, gegen ihn zu Hetzen, werde kein anständiger Mann mehr mit ihm zu tun haben wollen. Liebermann v. Sonnenberg antwortete hieraus in den „Deutsch-Sozialen Blättern" mit dem Nachweis, daß Graf Pückler trotz seiner Ableugnung doch kürzlich in der Privat-Klinik des Professor Do. Mendelsohn gewesen und dort von Herrn v. Loßberg gesehen worden sei. Seine Auffassung über des Grafen Gesundheitszustand werde von dem Grafen verwandtschaftlich sehr nahestehenden Personen geteilt und gründe sich aus ärztliches Urteil. Liebermann v. Sonnenberg fährt dann fort: „Ein vernünftiger Mensch braucht übrigens auch nur Redewendungen wie diese zu lesen: „Ich habe den Juden (Gemeint ist der leitende Arzt des Sanatoriums Di*. Hirsch. D. R.) nicht gesehen, und er ist in großem Bogen um mich herumgegangen, und das war auch sehr gut für ihn, denn wenn er mir zu nahe gekommen wäre, hätte es etwas gegeben, daß das ganze Sanatorium gezittert hätte." Das ist nicht die Sprache eines Mannes, der die Wirkung seiner Worte richtig abzuschätzen weiß."

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