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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 288

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-04-01
Page
288 (sequence 8)
Language
German
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288 Im deutschen Reich. Delitzsch, aber was der ehrgeizige Impresario des gräflichen Bruders eines Hofmarschalls eigentlich vom Hofe erwartet, ist doch noch etwas anderes. Er sagt: „Wir sind keineswegs der Ansicht, daß gerade der „alte Adel" allein berufen wäre, Thron und Altar zu schützen und Ratgeber der Krone zu sein, noch viel weniger aber halten wir das Judentum — und wenn die Herren noch so modern und erleuchtet tun — hierzu für befähigt. Einstweilen hält das Bürgertum etwas zurück, es wartet, bis seine Zeit gekommen ist, und diese Zeit wird hoffentlich sehr bald anbrechen. Im schlichten, aber durch und durch monarchischen und vaterländisch gesinnten Bürgertum liegt die Kraft des Vaterlandes und die Stütze des Thrones. Möge man an hoher Stelle keinen Augenblick dieses vergessen, und möge man dort das Wohlwollen, das man für das Bürgertum empfindet, auch durch die Tat beweisen." Wie sich Graf -Pückler räuspert und spuckt, hat Bruhn ihm offenbar abgeguckt, denn als der schneidige Führer der Amazonentruppe von Klein - Tschirne in einer im März vom „Deutschen Antisemitenbund" abgehaltenen Versammlung auf sein dem Kaiser eingereichtes Gesuch zu sprechen kam, sagte er, er hoffe bestimmt auf Begnadigung, weil er stets für die Hohenzollern, für Kaisertum, für Gottesfurcht und Vaterlandsliebe eingetreten sei. Wenn er im Reichstag gesessen hatte, wäre der Angriff Bebels auf den Kaiser nicht unwidersprochen geblieben, wie es leider seitens der nationalen Mehrheit diesmal geschehen sei. Er, Graf Pückler, wäre einfach aufgestanden und hätte gesagt: „Mein geehrter Herr Bebel! Wenn Sie nicht bald Ihre große, unverschämte Fr ... . halten, dann wird es Zeit, daß wir Kanonen auffahren lassen und der Sache ein Ende machen." Ob der Graf, trotz seiner Bereitwilligkeit, seinen kaiserlichen Herrn in so mannhafter Weise vor dem Abg. Bebel zu schützen, noch, wie er sich ausdrückte, „brummen" müssen wird, bleibt übzuwarten. Vor der Hand ist es ihm noch vergönnt gewesen, seine Freiheit zu verschiedenen Vorträgen in Versammlungen im 5. Berliner Reichstagswahlkreise zu benutzen, in denen er unter deutlichem Hinweise auf sich und den ihm so innig befreundeten Wahlkandidaten Bruhn lebhaft betonte, „daß wir Männer als Ratgeber der Krone brauchen, die sich nicht scheuen, den Monarchen über die Gefahr auszuklären, die dem deutschen Volke durch das Judentum droht." Er verwechselte dabei in seltsamer Weise „Kammer-Herren" mit „Kammerjägern", da er von dem erwünschten kaiserlichen Ratgeber durchaus die energische Reinigung des Landes „von allem Ungeziefer, Ratten und Spinnen" forderte. Als er am 27. März in weltentrückter Trance-

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