Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 287 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 287 well es noch Leute gibt, die sich durch ihre gelegentlichen Loyalitätsphrasen düpieren lassen. Die „Staatsbürger-Ztg." verhöhnt in ihrer Nummer vom 15. April in satirischen Ausführungen, als „Zudringliche deutsche Liebenswürdigkeit Amerika gegenüber", das Geschenk der Statue Friedrich des Großen und die. kaiserliche Einladung an die nordatlantische amerikanische Flotte.- Das Blatt Bruhns vergleicht diese Freundlichkeiten mit dem „Werben einer hysterischen Jungfer um Mannesliebe". Dasselbe Blatt hat bereits am 31. Marz an eine Bemerkung der „Berliner Ztg." die unverkennbar zur Aufreizung dienende, die Verhältnisse geradezu auf den Kopf stellende Aeußerung geknüpft: „Bei diesen Wahrnehmungen drängt sich uns die Frage auf: Wie ist es möglich, daß die Juden an gewissen hohen Stellen einen garnicht mehr zu übersehenden Vorrang vor den Deutschen genießen?" Unter der Ueberschrift „Des Kaisers Freunde" veröffentlichte das antisemitische Hamburger „Deutsche Blatt" einen Bericht über eine Abendgesellschaft bei dem Admiral Holtmann, welcher der Kaiser beiwohnte, und hob die Namen der jüdischen Teilnehmer durch Sperrdruck hervor. „Das revolutionäre internationale Judentum gehört nicht in die Nähe des Thrones" eifert das Blatt des Herrn Wilhelm Bruhn, der sich berechtigt glaubt, einem Hohenzollern vorzuschreiben, mit wem er Zusammen sein darf. Bruhn beklagt sich darüber, „daß neuerdings wiederholt jüdische Persönlichkeiten bei Hofe empfangen worden sind und daß unser kaiserlicher Herr sehr häufig mit jüdischen Großfinanziers auf gesellschaftlichem Boden bei hohen Staatsbeamten und Würdenträgern zusammentrifft." Wie es mit der „Hoffähigkeit" antisemrtischer Redakteure bestellt ist, zeigt nachstehende rohe Aeußerung des „Deutschen Blattes" vom 8. April: „Durch Kaiserreden ist der Sozialdemokratie nicht beizukommen, sondern nur ihr Schweineglück Zu fördern. Das dürfte die Lehre der Gewerbegerichtswahl in Essen sein. Zum ersten Male haben also die Sozialdemokraten über die Christlichen gesiegt. Ist der Sieg auch kein imposanter und kein endgültiger, so dürfte doch eins festzuhalten sein: Sollen die Christlichen ihre Position das nächste Mal zurückerobern, so kann das durch weitere Kaiserreden nicht erleichtert, sondern nur erschwert werden." Solche Aeußerungen der „monarchischen" Gesinnung antisemitischer Redakteure verdienen niedriger gehängt zu werden! Als der Rassenfanatiker Chamberlain sich hoher Auszeichnung wiederholt erfreute, hatte Herr Bruhn dagegen nichts einzuwenden; er gestattet auch seinem kaiserlichen Herrn zur Not einige Huldbeweise für einen Gegner des Offenbarunasglaubens wie den Professor