Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Jüdische Dänen
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 273 (sequence 9)
- Language
- German
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Jüdische Dänen. 273 saßen daher bis jetzt jüdische Assessoren. Dann verloren natürlich die betreffenden jungen Leute die Geduld und hörten allmählich aus, die unnötige Vorschule für Richterämter durchzumachen, oder sie empfingen große administrative Stellungen, welche derselbe Minister ihnen verschaffte. Nun ist aber der Minister nicht nur selbst abgegangen; sein Geist ist auch ausgestorben, und lange wird es nicht dauern, bis diese Ausnahme wie ein Märchen klingen wird. Ferner ist die Ernennung der Rektoren der gelehrten Staatsschulen bis jetzt tatsächlich immer in den Händen der Volkskirche gewesen; wenn aber binnen wenigen Jahren der Rektor der Universität ein Jude gewesen ist, wird auch dieser Unterschied wahrscheinlich verschwinden. In allen Stellungen, in allen Beschäftigungen, in allen Kreisen, in allen Familien, in allen Bildungsgraden, in allen Parteien, unterallen Aufrufen behaupten sich also die jüdischen Mitbürger von Dänemark. Das kann entweder als ein Zeichen ihrer großen Bedeutung trotz ihrer geringen Anzahl oder als Beweis ihres totalen Verschwindens in Dänemark betrachtet werden. Ganz so sieht es aber doch nicht aus, wenn man ein wenig tiefer blickt. Die jüdische Eigenart verschwindet nicht, wird von den christlichen Mitbürgern auch nicht vergessen. IV. Nehmen wir das letzte zuerst: Als Dänen werden sie anerkannt, und völlig anerkannt, auch nicht als minderwertige Dänen betrachtet. Aber lediglich als jüdische Dänen. Man spricht gut oder übel über einen bestimmten jüdischen Mitbürger, je nach der Sympathie, aber in einem gegebenen Augenblicke kommt die Bemerkung, daß er Jude ist. Nicht als wäye es etwa ein Zeichen von Geringschätzung — im Gegenteil, daß die Armen nie Not leiden, daß die Wohltätigkeit groß ist, daß hervorragender Bürgersinn da ist, wird gern mitgegebcn —, nur eine Bemerkung, welche einen Abstand bezeichnet, eben etwas eigenartiges,' wenn auch geschätztes. Zwar gibt es keine Kreise — vom Hose ab, wo es hundertjahrlange Tradition ist, mit den Juden eher übergerecht zu verfahren, bis zu den Geringsten — die nicht mit den jüdischen Mitbürgern persönlich verkehren, aber in gewissen Kreisen ist man gegen „fremde Juden", solche, die nicht von der Kindheit ab oderdurch Verwandtschaft zum Kreise gehören, entschieden abweisend. Jede Familie hat „ihre Juden", viele wünschen aber auch keine andern zu kennen oder mit ihnen