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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 272

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
Jüdische Dänen
Date
1903-04-01
Page
272 (sequence 8)
Language
German
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272 Im deutschen Reich. offiziösen Zeitung, welche also je nach den Umständen Rechten- oder Linken-Zeitung ist, war Mitglied der jüdischen Gemeinde. Bon den übrigen Wahlberechtigten kommt dann eine Menge Großkaufleute, Bankiers, Aktiengesellschasts- und Bankdirektoren, dazwischen viele hochbetitelte und beordente Herren, wie denn natürlich auch die jüdischen Staatsbeamten und Professoren freigebig mit Ordensdekorationen begnadigt sind (kein im Staatsdienst augestellter Dane kann dagegen Titel bekommen, weil Annahme von Titeln ihnen gesetzlich verboten ist). Bezeichnend ist, daß kein einziger Baron oder Kommerzienrat in Dänemark unter den Juden ist, — die jüdischen Dänen folgen dem Strome ihrer Mitbürger, suchen sich aber keine besonderen Pntzquellen aus. Demnächst kommen alle die kleineren Geschäfts- und Handwerksleute; als Markaudiser („alte Kleider") und Antiquitätenhändler finde ich in der Liste nur 8 im ganzen ausgesührh, und unter diesen sind wenigstens 2 Antiquitätenhändler sehr groß und gutrenommiert, — als „Handelsagenten" und „Handelsreisende" einige zwanzig. In der Tat sind unter diese 2 Kategorien beträchtlich mehr zu rechnen, denn die Nichi-Wahlberechligten und die Armenversorgten rekrutieren hier wie überall eben diese Klassen der Bevölkerung. Als Pfandleiher hat kein einziger sich aufsühren lassen, die existieren aber noch; auch einzelne gekannte Wucherer, sie verschwinden aber so total zwischen ihren christlichen Kollegen und zwischen den hochgestellten und hochangeschenen jüdischen Kaufleuten, Wissenschastsmännern und Beamten, daß die Worte „Buchjude" und „Geldjude", welche in der dänischen Sprache wie in allen andern Sprachen existieren, ohne die geringsten Spuren von Antisemitismus angewandt werden — ja sogar von den Juden selbst. Im allgemeinen herrscht in den jüdischen Geschäften eine strenge Auffassung bezüglich der Handelsmoral, welche noch bei weitem nicht unter ihren christlichen Mitbürgern erreicht wird. Stadtbewohner, wie die jüdischen Dänen bis jetzt gewesen, sind keine Ackerbauer dazwischen, in der neuesten Zeit aber einige Gärtner. — Die vollkommene Gleichheit hat nur zwei Ausnahmen, von denen die eine sicherlich sehr bald verschwinden wird. Bis jetzt ist kein jüdischer Mitbürger Richter geworden, obgleich der Justizmimster, welcher von 1875—94 die höchste Jurisprudenz alleingewaltig regierte (vor dieser Zeit hatte kein Jude sich zu einer solchen Stellung gemeldet) in seinen wissenschaftlichen Arbeiten (als Professor) keine theoretischen Bedenken darin gesehen hatte, einen Juden als Richter über Christen zu ernennen; in der Praxis wollte er aber die Königliche Unterschrift für eine solche Ernennung nicht verschaffen und nur im Handelsgericht, wo die Mitbürger selbst die Richter auswählen,

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