Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Jüdische Dänen
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 271 (sequence 7)
- Language
- German
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Jüdische Dänen. 271 III. Damit ist aber bei weitem nicht der Zustand in seiner Eigentümlichkeit erschöpft. Vor mir liegt die Liste über sämtliche Mitglieder der „Kopenhagener mosaischen Gemeinde", welche für die Gemeinde steuerpflichtig und wahlberechtigt sind. Deren Zahl.ist 809. Von diesen sind: - Präsident des „Folkething", das heißt der volkserkorenen Reichstags abteilung; derselbe ist auch Kommunalratsprästdent von Kopenhagen. 7 sind Mitglieder des Reichstags oder des Kopenhagener Stadtkommunerats, (Bürgerrepräsentation) alle kraft Wahl ihrer Mitbürger. 31 sind höhere Beamte in allen Gliederungen der Administration des Staates oder der Kommune, darunter der Generaldirektor des Steuerwesens, also die höchste finanzielle Autorität nächst dem Finanzminister. 29 Sachwalter, Rechtsanwälte, Advokaten, darunter zwei beim höchsten Gerichte, wo im ganzen nur 15 Advokaten angestellt sind. 26 Aerzte und Männer der Wissenschaft, darunter Professoren an der Universität und gleich gestellten gelehrten Anstalten und mehrere der besten Namen in der Aerzte-SpeZialistenwelt, der Direktor des staatlichen Seruminstituts, der Direktor des kommunalen Kinderkrankenhauses, der Direktor der staatlichen Geburtsstiftung u. s. w. 17 Künstler und Schriftsteller (Journalisten nicht miteingerechnet), darunter einige der bedeutendsten Schriftsteller und Musiker. 55 größere Handwerker und Fabrikanten, darunter 10 sehr große Industrielle. Das heißt, daß 21 °/0 dieses „Handelsvolkes" sich in Dänemark den liberalen, amtlichen, allgemein bürgerlichen Stellungen zugewandt haben, meistens in sehr hohen oder vielversprechenden sozialen und politischen Positionen. Dazu kommen noch die Mitglieder, welche an der Synagoge selbst als Rabbiner, Vorsänger, Bedienstete, 'Archivare u. s. w. angestellt sind. Die Journalisten habe ich nur deshalb nicht mitgerechnet, weil ja die Beteiligung der Juden an der Journalistik eben in vielen Ländern als eine Anklage gegen die Juden hervorgehoben wird; in Kopenhagen sind ihrer 15 unter den Besteuerten, meistens sehr geschätzte Federn; bei allen Zeitungen von allen Farben gibt es jüdische Mitarbeiter. Zwei Kopenhagener Zeitungen haben jüdische Hauptredakteure: die maßgebende Linkenzeitung, freidenkerisch und radikal, und die maßgebende Rechtenzeitung, bigott und reaktionär; auch der eben verstorbene Hauptredakteur unserer einzigen offiziellen und