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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 270

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
Jüdische Dänen
Date
1903-04-01
Page
270 (sequence 6)
Language
German
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270 Im deutschen Reich jelbsterwählter Repräsentantenschaft, welche nicht nur religiös, sondern auch administrativ als selbständig anerkannt ist. Aus dieser Pflicht der Armenversorgung und des Kinderunterrichts folgt natürlich für die Gemeinde auch ein Recht, nicht Jedermann, der einwandern will, aufzunehmen. Und wenn die Gemeinde einen Einwanderer nicht aufnimmt, wird er vom Staate Dänemark, wenn er sich selbst nicht versorgen kann, ganz wie andere Einwanderer behandelt — das heißt nach seinem Heimatlande zurückgewicsen. Die Gemeinde empfängt daher von Ausländern nie einen größeren Zugang, als sie vertragen kann — eine gewisse Möglichkeit für Selbstversorgung muß jede einwandernde Familie haben. Um nicht mißverstanden zu werden, muß ich hinzufügen, daß keine Art von Inquisition angestellt wird; nur wenn die eingewanderten gleich der Gemeinde zur Last fallen, wird das Recht zum Nachhauseschicken geübt und nach längerem Aufenthalt ist man keineswegs rigoristisch. Da ferner in Dänemark Schulzwang besteht und die jüdische Schule eine dänische ist, werden jedenfalls die Kinder aller Eingewanderten gleich als Dänen erzogen. Absonderung in Tracht ist in Dänemark natürlich ganz ausgeschlossen, noch weniger kann von einem Judenviertel die Rede sein. Nicht einmal von gewissen Straßen oder Stellen, wo man die Juden gesammelt zu sehen erwarten kann, außer der Synagoge. Wir sehen einen Talar oder die hängenden Locken nur, wenn ein polnischer Jude einige Tage hier herumschnorrt, um Geld für die Weiterreise bei den Gemeindemitgliedern einzusammeln. Die dänische Sprache ist überall Umgangssprache. „Gemauschelt" wird als guter Scherz — aber (ja es klingt paradox, ich kann es aber mit Beispielen belegen) es gibt christliche Großkausleute, welche ihre Carriere in ausländischen jüdischen Häusern anfingen, und die „mauscheln" besser, geläufiger und kundiger, als manche jüdische junge Leute. Die hebräische Sprache wird überhaupt nur von den unmittelbar eingewanderten gesprochen, man spricht, liest und schreibt in Dänemark dänisch. Kurz — daß die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Dollbürger von Dänemark sind, schreibe ich nicht den Gesetzen zu, schreibe ich nicht einem besonderen Charakterzug der Dänen, weder christlichen noch jüdischen Bekenntnisses zu, sondern nur und allein dem Umstande, daß die jüdischen Gemeindemttglieder in Dänemark sich nicht als Nation oder Rasse oder sonst etwas abgesondertes betrachten, sondern lediglich als eine religiöse Gemeinde, mit den andern dänischen Gemeinden gleichgestellt, ganz vereinzelte Zionisten abgerechnet. Das ist eine nicht sehr philosophische, aber sehr reelle Begründung.

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