Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Jüdische Dänen
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 269 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316706-2331312--10909-2331382- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Dänen. 269 Verlassen wir die einige Tausend jüdischer Dänen, welche der höheren Bourgeoisie gehören und unter denen übrigens strenggläubige sich mehr vorfinden, und betrachten wir die übrigen Schichten der jüdisch-dänischen Bevölkerung! Dort finden wir die strenge Orthodoxie mit allen Ceremonien, wenn nicht zahlreich, so doch immerhin vorhanden: ernstliche jüdische Religiosität findet man aber überall und in allen Schichten der Gesellschaft, vom Gipfel bis Zu den untersten Stufen; man darf sich dabei nicht täuschen lassen von dem Umstande, daß die freidenkerischen natürlich auch in Dänemark am meisten in die Augen fallen. Die daraus folgende Gefahr für Absonderung wird aber gänzlich aufgehoben dadurch, daß sie beinahe alle dänisch sprechen und die Kinder alle rein dänisch erzogen sind. Wir berühren jetzt die zweite und bei weitem bedeutendste HaupLursache, aus welcher wir in Dänemark nicht von dänischen Juden, sondern von jüdischen Dänen sprechen müssen und können: die Regelung der Einwanderung. Denn es würde natürlicherweise wenig helfen, daß die oberen und obersten, wohlsituierten, in vielen Generationen danisierten Kreise vollständig mit der übrigen dänischen Bevölkerung sich zu assimilieren versuchen (nur unter Wahrung einerandern Religion als die Volkskirche), wenn unten immer wieder ein fremdes, fremdartiges, fremdfühlendes, fremdsprechendes, abaesondert gehaltenes Element die Rassen- und Nationalitätsverschiedenheit offenbaren würde. Die notwendige Folge wäre dann in Dänemark tme überall, daß ein jüdisches Volkstum tatsächlich bestände und fortbestehen würde, und die Nachwirkung könnte nicht ausbleiben, welche - überall unter solchen Umständen eintritt, daß die gewöhnliche Rede lauten würde: „Ja, da sieht man es ja! im Grunde sind sie und bleiben sie fremd, dre Juden; sie befinden sich in Dänemark wohl, weil wir sie großmütig gut behandeln, aber Dänen sind sie nicht, wollen sie nicht sein. Umsonst versuchen einige kluge Kerle von der höheren Gesellschaft die wirkliche Sachlage zu verdunkeln; ihre Stammbrüder da unten geben das rechte Bild." Daß es so nicht gehr, noch gehen wird, verdanken wir dem Umstande, daß die Einwanderung solcher Leute, die sich nicht selbstständig ernähren können, sich selbst regelt. Erstens ist der Hausierhandel überhaupt in Dänemark verboten und damit das Fußfasien (wie z. B. in Schweden) verhindert. Dann ist seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts die jüdische Gemeinde von Kopenhagen eine Art Kommune für sich, mit Armenversorgung auf eigene Kosten und eigenem Schulwesen, mit eigenem Steuerwcsen für die jüdisch-kommunalen Zwecke, mit-