Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Jüdische Dänen
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 267 (sequence 3)
- Language
- German
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Jüdische Dänen- M wndern als Däne, meine durch und durch christlichen Mitakademiker repräsentierend. Daß aber bezüglich der Enthüllung der Statue des Bischofs Äbsalon der jetzige Bischof im letzten Augenblick doch seine Einwilligung zurückzog, geschah nicht, weil Zwei jüdische Mübürger da tätig sein sollten, sondern weil der eine derselben Georg Brandes, der Freidenker, war. II. Im dänischen Grundgesetz von 1849 steht: Niemand kann wegen seines Religionsbekenntnisses vom vollen Genüsse irgend eines bürgerlichen oder politischen Rechtes ausgeschlossen werden. Das ist ja sehr wohllautend — aber die Gesetze machen es für die Juden nicht, das wissen wir. Auch in andern Ländern ist gesetzlich Religionsfreiheit und Gleichheit aller Bürger festgesetzt, und die Juden werden trotzdem verjagt, einfach den Gesetzen betreffend fremde Einwanderer unterworfen. Es giebt ja auch Länder, wo sie theoretisch Vollbürger sind, aber praktisch als lästige, auswärtige Eindringlinge behandelt werden. Wer sich über die Gesetze hinwegsetzen will, findet immer einen Ausweg. Auch in Dänemark hätte die Grundgesetzbestimmung wenig geholfen, wären die Juden nicht schon im Jahre 1849 Dänen gewesen; und wenn die maßgebenden Strömungen in Dänemark nicht im großen ganzen schon seit einem Jahrhundert die Gewohnheit gehabt hätten, von der Konfession abzusehen in der Betrachtung ihrer jüdischen Mübürger, würden die Gelegenheiten gewiß nicht gefehlt haben, um die Hep-Hep-Rufe damals und spater Zu erwecken. Denn Engel sind die Dänen ja nicht, Christen sowenig wie Juden; Vorurteile existieren natürlich, Versuche sind in bewegten Zeiten auch gemacht worden, die „Fremden"-Betrachtung zur Geltung zu bringen. Gelungen ist es nicht und gelingen wird es nicht, das Verhältnis dauernd zu trüben. Denn der herrschende Zustand hat tiefliegende Ursachen. Erstens sind wir so verschwindend wenige, daß Absonderung unsererseits ganz unvernünftig wäre; in diesem Augenblicke giebt es außerhalb Kopenhagens kaum 500, in Kopenhagen 3700 Juden. Dänen sind sie fast alle und mit geborenen Däninnen verheiratet. In den höheren gesellschaftlichen Kreisen vielfach in Mischehen. In meiner eigenen Familie muß ich aus 23 Vettern und Cousinen 10 rechnen, welche als Christen geboren sind; von 2 verheirateten Geschwistern und 13 verheirateten Vettern und Cousinen, welche in der 'jüdischen