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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 266

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
Jüdische Dänen
Date
1903-04-01
Page
266 (sequence 2)
Language
German
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zm Im deutschen Reich. Der verstorbene dänische Dichter Chr. Richardt war ein — christlichem Pastor. „Sie haben vielleicht gehört" setzte Brandes hinzu, ^daß man mir auch die Ehre zugedacht, die neue Reiterstatue des Bischofs Absalon mit einer Rede unter offenem Himmel zu enthüllen. Das Wetter ist ja aber so rauh, daß der Bischof in aller Stille enthüllt werden muß." Bischof Absalon — christlicher Bischof natürlich — ist ca. 1200 n. Chr. der Gründer der Stadt Kopenhagen gewesen, einer der großen Männer unserer nationalen Geschichte, und seine Reitelstatue ist von einem Privatmanne der von ihm angelegten Stadt geschenkt worden. Hätte nun die Stadt aus seiner Enthüllung eine hauptstädtische Feierlichkeit gemacht, wobei selbstverständlich die offiziellen Repräsentanten von Kopenhagen — der königlich ernannte OberprastdenL und der volkserkorene Kommunalratspräsident — mit offiziellen Lobreden hätten auftreten müssen, würde die Welt erlebt haben, daß das Denkmal eines nationalen, dänischen Heros und christlichen Bischofs von folgenden vier Herren wäre enthüllt worden: vom jetzigen christlichen Kopenhagener Bischof, von Georg Brandes, vom Oberprästdenten und vom Kommunalratspräsidenten, welcher letzterer Mitglied der jüdischen Gemeinde ist. Die Enthüllung war aber nicht nur wegen der Kälte aufgegeben worden. Der jetzige Bischof wollte doch schließlich seinen verstorbenen Kollegen nicht zusammen mit Georg Brandes feiern. Ohne es zu wissen, hatte Georg Brandes mir mit seinen zwei alltäglichen Mitteilungen den gesuchten Anfang meines Artikels gegeben. Denn soviel wird ja allen einleuchten, daß falls Georg Brandes und der Kommunalratspräsident sich nicht in erster Reihe als Dänen betrachteten und von ihren christlichen Mitbürgern in derselben Weise aufgefaßt würden, wobei ihre jüdische Konfession eine adjektivische Nebensache ist, es außer den Grenzen der Möglichkeit läge, daß die dänische Hauptstadt, die dänischen Studenten, die dänische Bevölkerung bei so solennen Gelegenheiten, wie die Enthüllung eines Priesters-Dichters und eines Kriegers-Staatsmannes-Bischofs, in den Zwei jüdischen Herren ihre natürlichen Repräsentanten halten sehen können. Dabei fiel es mir, in demselben Zusammenhang, noch ein, daß im vorigen Jahre den 2. April 1901 — die Hundertjahrfeier einer nationalen Heldentat in einer Kirche großartig begangen wurde; dabei war die akademische Welt durch ihre Repräsentanten anwesend, und die Repräsentanten waren: Rektor der Universität, ein Professor, ein Theologe und — ich. Augenscheinlich war ich da nicht als Jude,

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