Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- J. Loewenberg [Rezension]
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 258 (sequence 5)
- Language
- German
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358 Im deutschen Reich. Und in dem letzten, dem dichterisch vollendetsten Gedicht dieses ersten Theils in „Ahasver" erschaut sein Poetensinn diesen uralten Sagen typus seines Stammes wieder in dem Alten, den auch des einst sc gastlichen Westlands Küsten wieder sortstießen in die ewige Unruhin das Elend. Das ist eine grandiose Apotheose des jüdischen Märtyrerthums. Kommt einmal eine neue, frohe Zeit? Der Alte hofft's: Der Alte schaut in die Nacht hinein, Sein Antlitz umstrahlt ein leuchtender Schein, Als sah' er das Heil in der Ferne, Auf springt der Sturm, wild tost das Meer - Am Maste still lächelnd steht Ahasver. - Die zweite Abteilung des Buches trägt die Ueberschrift „Gestalten". Gestalten sind es aus jüdischer Geschichte und Ueberlieferung. Aber was sie sind und künden, ist das ewig Menschliche: Das Heldentum des Kampfes („Judas Tod"), das Heldenthum der Selbstverleugnung, der Treue bis in den Tod („Der Rabbi"), das Heldentum des Geistes und der Kunst („Heine". Prolog in der Literarischen Gesellschaft zu Hamburg zur Feier des hundertsten Geburtstages Heines), das Heldentum der helfenden Liebe (An die Frauen". Prolog, gesprochen bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung des Israelitisch-humanitären Frauen - Vereins in Hamburg). Den Schluß dieses Teiles bildet ein längeres Gedicht „Beruria". Es ist das alte Lied, das alte Leid von den beiden jungen Herzen, die in, einanderschlagen und doch einander nur durch Schuld gehören können Denn zwischen ihnen steht der alternde Mann, der in kühler Lebensweisheit nicht den Hauch der Leidenschaft mehr empfindet und vergißt, sie in Rechnung zu stellen. Doch hat der Dichter durch den feinen Aufbau der Handlung, das specifisch jüdische Milieu und den orientalischen Duft der Landschaft in der Gestaltung des Geschicks, das so alt ist wie die Kulturmenschheit, etwas geschaffen, das nur ihm gehört. Freilich das zur Katastrophe drängende Motiv des Rabbi Me'ir wird nur der ganz würdigen, oder besser nicht ganz ver- urteilen, der im Geiste altjüdischer Geschichte und Lebensauffassung heimisch ist. Jedem aber wird es wie Heimatklang anmuthen, wenn er sich liebevoll in die Schluß-Abteilung „Zu Hause" versenkt. Hier giebt nach meiner Meinung Löwenberg sein Bestes, weil sein Innerstes, hier zeigt er am zwingendsten, daß er ein Deutscher ist. Und gerade weil das Buch mit diesem wundervollen Cyklus so versöhnend ab-