Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- J. Loewenberg [Rezension]
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 259 (sequence 6)
- Language
- German
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Bücherschau. 259 chließt, wird am feinsten der Titel des Buches gerechtfertigt. Man weiß jetzt, warum er seinen Freunden ein so lieber Geselle, ein so rein empfindender Berather ist. . Er hat das Glück eines dem Frieden imd der Liebe geweihten Elternhauses genossen. Mit allen Fasern deiner Seele hängt er an den Erinnerungen, die ihm daher fließen. Es würde den Gedichten, die dem alten treuen Vater, der lieben Mutter gewidmet sind, allen Reiz rauben, wollte man mit Worten an ihnen Herumtasten. Das sind Herzensklänge in feinster Form, die unmittelbar zum Herzen sprechen müssen. Aber aus diesem selben Grunde erblüht ihm auch die warme Neigung Zu Landschaft und Menschenthum feiner Heimat; der Mutter Gedenken wird ihm zur Krühlingsfeier seines westfälischen Landes: Da kommt der Frühling mir in das Land, In weichem faltigen Nebelgewand Gleitet über die Erde sein Fuß, Sein Blick ist Frieden und Segen sein Gruß. Und mit ihm ein Duften und Singen schwebt, Und leise hallend vom Grunde sich's hebt, Als ob tausend Hände klingling fein Anstießen mit Gläsern voll goldenen Wein. Und tief aus der Erde ein Sehnsuchtsschrei bricht, Ein Dürsten und Ringen nach Liebe und Licht. Für mich kann ich den künstlerischen Wert dieser Verse nicht hoher schätzen, als daß ich sie getrost den besten Ivrischen Strophen Storms an die Seite stelle. Freilich nicht immer ist die Form in den Gedichten der Sammlung so vollkommen abgeklärt. Das ist wohl ein Opfer, den das leidenschaftlich aufwalleude Gefühl, das sich nur peinvoll losreißt aus blutender Seele, von dem wägenden Kunstverstande, dem harmonisch quellenden Rythmus fordert. Auch die Treffsicherheit des Gedankens und des Bildes ist nicht immer plausibel, mir wenigstens nicht in Gedichten „Eine alte Fabel", „Blut". Oder die Verbitterung nimmt Formen an, die sich nicht den Gesetzen der Kunst mehr fügen wollen wie z. B. „Ein Freund Israels". Das sind Töne, die ich als Nichtjude menschlich durchaus verstehe und mitfühle, die aber in das Ganze nicht einklingen. Doch das sind untergeordnete Mängel, die eine gerechte Kritik nicht verschweigen darf, wenn sie sich das Recht der warmen Freude an all dem andern Schönen und Ergreifenden wahren will. Aus dem Ganzen aber spricht eine selten vornehme und warmblütige Persönlichkeit, ein ganzer Mensch zu uns,