Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- J. Loewenberg [Rezension]
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 256 (sequence 3)
- Language
- German
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256 Im deutschen Reich. jüdischen Volkstums die Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft erkaufen zu können. Dazu hat er das dornenvolle Problem, aus dem Grunde ererbter Rasseneigentümlichkeiten sich sein Deutschtum zu erbauen, zu innerlich erfaßt. Das verbot ihm auch das Märtyrergeschick seiner SLammesgenossen, dessen Leidensgeschichte er zu gut kennt und zu bitter erlebt, um sich ihm versagen zu wollen. Und so ist der Titel des neuen Buches denn auch ein mannhaftes Bekenntnis zu seinem jüdischen Ursprung. — Aber verliert es nicht. durch diese Tendenz an künstlerischem Werte? Nein; denn es ist nicht geschrieben, um wieder zu Hetzen, zum Widerstreit zu führen und zu organisieren. Es soll keine Agitationsschrift sein. Das kann es auch nicht; dazu ist es zu intim. Was die Seele bewegte und erregte, will es nicht nur, sondern muß es eben verkünden in „des Reimes buntschillernden Gewände, das Blitze birgt und Blütenpracht." Immer wird der Künstler in seinem Schaffen bedingt sein durch das Milieu seiner Umgebung und Erfahrung, durch Geschichte, Raffengefühl und Familientradition. Aber der Dichter erhebt eben durch seine Kunst die widerstrebenden Interessen der Parteileidenschaft zu schöner Menschlichkeit und verklärt sie dadurch. Und in diesem Sinne ist der Lite des Buches, wie sein Inhalt eine Mahnung an die jüdischen Kreise des deutschen Volkes, in Kampf und Unterdrückung nicht niedrigen und häßlichen Instinkten in ihrer Seele Raum zu geben, sondern „aus jüdischer Seele" das Beste und Höchste zu vermählen mit dem germanischen Dolksideal, das nämlich, was in ihr echtes Menschentum bedeutet. Wer von ihnen dem Ohr und Stimme leihen mag, dem wird das Büchlein endlich auch ein Trost sein im Widerstreit der Gefühle, im harten Kampf. Der läßt sich schöpfen aus jedem ein zelnen Gedicht der Sammlung. Wie im gerechten Trotz der stolzen Mannesseele, die wohl aufschreit aus ihrer Qual, aber sich nicht feige duckt, hat der Dichter die erste Abteilung des Bandes „Lieder eines Semiten" überschrieben. Gleich in dem ersten Gedicht stellt er dar, wie er sich in heißem Seelenkampfe Deutschland als sein Vaterland errungen: Ihr könnt mir das Gefühl nicht rauben, Das sreudigstolz die Brust mir schwellt; Trotz euer: Deutschland über alles, Ja über alles in der Welt! Mit dem innerlichen Pathos des Schmerzes, dem die Bitterkeit sich gesellt, appelliert er an die so hoch gepriesene germanische Gastfreundschaft, an das Wesen des Christenthums, die Liebe. Wie sind