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Im deutschen Reich · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. 255

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
J. Loewenberg [Rezension]
Date
1903-03-01
Page
255 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau. 255 Bedenk' es wohleh Du es taufst, Bedeutsam sind die Namen; Und fasse mir Dein liebes Bild Nun in den rechten Rahmen. Wie von den jungen Menschlein, so gilt das nicht minder von den Geisteskindern der Dichtung. Schöpfer und Verleger sind dem Herzen des kaufenden Publikums schon einen Schritt näher gekommenwenn sie es anzogen durch einen Gedanken, ein schön geprägtes Wort im Titel. Aber es giebt auch Werke, die vom ersten Augenblick an, wo sie empfunden wurden in des Künstlers Seele, ihren Namen wie ein Verhängnis mit in's Leben bringen. Es sind das nicht die frei und leicht geborenen, sondern die, die dem Schmerz entstammen. Zu dieser Zahl von bitteren Bekenntnissen gehört auch die vorliegende Sammlung von Gedichten I. Löwenbergs. Wer ist % Löwenberg? Nicht viele kennen des Dichters feinempfindendes warmherzig vornehmes Talent aus seinen bisherigen poetischen Schöpfungen. Eine große Gemeinde von Litteratursreunden aber giebt es in Hamburg und im weiten deutschen Vaterland, die dem tiefgrabenden Gedanken in klassisch einfache wie Selbstverständlichkeit klingende Form kleidenden Essayisten immer wieder mit Freuden begegnen, denen er in meisterhafter Rede neue Schätze grub aus den Werken eines Hebbel und Kleist, eines Grabbe und Bürger, einer Marie v. Ebner-Eschenbach und eines Gerhart Hauptmann, mit einem Worte aus den Schöpfungen der deutschesten unserer deutschen Dichter. Es giebt nach meiner Meinung nicht viele in unseren Landen, die so wie er den geheimsten Pulsschlägen deutscher Dichtung nachzuspüren vermögen. Und ich weiß, daß dies seine schönste Freude, seine höchste Genugtuung ist. — Bedeutet denn nun sein neuestes Werk eine Absage diesem frohen Bekenntnis zur deutschen Kultur? Nein; aber sie ist ein flammender, aus tiefgeschichteter Liebe entbrennender Protest gegen diejenigen, die ihn und seine Stammesgenossen mit höhnendem Wort oder undeutscher brutaler Tat fortjagen möchten von diesem lebenspendenden Born. Wem das Ohr in dem wüsten Lärm der Rassenhetze noch nicht völlig taub geworden ist, wird aus dem Ton der Anklage, die aus den Gedichten erschütternd erschallt, gerade vernehmen, wie innig verwandt ihn die geschichtliche Entwickelung und jahrtausendelanges gemeinsames Schicksal mit Löwenberg und vielen, rür die er das Wort ergreift, gemacht haben. Es ist „aus jüdischer Seele" eine deutsche Klage. Freilich Kampfesgedichte sind es. Löwenberg ist kein Renegat, der da meint, durch äußerliche und unehrliche Verleugnung seines

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