Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 230 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316705-2331153--10811-2331249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
230 Im deutschen Reich. geschehen, so würden allerdings seine eigenen vitalsten Interessen berührt. Objektiv finde also der § 193 Anwendung, subjektiv aber sei der Schutz dieses Paragraphen ausgeschlossen, da der Angeklagte offenbar und zugegebenermaßen beleidigen wollte. Der Angeklagte habe das Gutachten schon vorher verdammt, ehe es ihm bekannt war, und als ihm bekannt geworden, habe er den Dr. Giese verunglimpft, um seiner Rachsucht, seinem Haß und seiner Verachtung Ausdruck zu geben. Auch bei seinen Aeußerungen gelegentlich der schöffengerichtlichen Verhandlungen habe der Angeklagte nicht nur die Rechte der Verteidigung wahrgenommen, sondern auch an jener Stelle dem vr. Giese aufs neue eins versetzen wollen. Bei der Strafabmessung sei erwogen worden, daß M. A. Klausner von der Gegenseite gereizt worden sei. Mit Rücksicht hierauf hat der Gerichtshof wegen der beiden Artikel aus je 200 Mk., wegen der mündlichen Beleidigung auf 100 Mk., insgesamt also auf 500 Mark Geldstrafe, eventuell 50 Tage Gefängnis, Unbrauchbarmachung der Platten und Formen und Publikationsbesugnis für die Beleidigten erkannt. Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Klein-Tschirne berichtet: „Die Kavalleriemanöver des Grafen Pückler haben in diesem Jahre dadurch eine Erweiterung erfahren, daß sie nicht mehr gegen einen markierten Feind geführt werden, sondern gegen „wirkliche" Infanterie, die durch die Mägde und Hofehefrauen des Grafen dargestellt wird. Auch die Bewaffnung dieses Klein-Tschirner Amazonenheeres ist sehr originell — sie besteht in sehr handlichen und festen neuen Mistgabeln. Mit festem Schritt rückt das Amazonenheer nach dem Stoppelfelde, wo es sich die freie Zeit bis zum Beginn des Kampfes durch das Auseinanderwerfen der dort aufgefahrenen Düngerhaufen vertreiben muß. Gras Pückler veranstaltet inzwischen auf einem davon in einiger Entfernung liegenden Felde mit seiner Reiterschaar Schulererzitien. Nach verschiedenen equestrischen Evolutionen und nach Abnahme mehrerer Parademärsche setzt sich der Oberkommandierende, in der Rechten den Feldmarschallstab in Form eines schweren Reitstockes mit silbernem Knopf, an die Spitze seiner Kavallerie, und fort geht es im sausenden Galopp, zum großen Gaudium der uneingeladenen Zuschauer, zur Attacke aus den düngerausbreitenden weiblichen Feind. Die Angreifenden dringen mit lautem Hurrah vor, und siehe da, als die Kavallerie sich dem Amazonenheer bis auf etwa 100 Schritt genähert hat, nimmt dieses plötzlich Verteidigungsstellung ein, streckt den kühnen Reitern die Spitzen der Mistgabeln entgegen und ruft laut, gemäß der Instruktion, die ihm vorher seitens des Grafen zu teil geworden war: „Hurrah! Herr Graf!" Der Angriff wird natürlich