Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 223 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 223 eine Bedeutung gewonnen hätten. Er hat an jenem Abend auch nachzuweisen versucht, daß er im Reichstage bei den jüngsten Auseinandersetzungen über die „Meineidaffäre" mit mehreren sozialdemokratischen Abgeordneten, sowie mit dem freisinnigen Abgeordneten Lenzmann nicht den Kürzeren gezogen habe. Den Beweis, daß er der rechte Mann sei, der konservativen Partei in Berlin auf die Beine zu helfen, hat er aber auch an jenem Abend nicht geliefert. In demselben Raume bewarb sich am 6. März der Verleger der „Staatsbürger- Zeitung", Wilhelm Bruhn, um das Mandat des 5. Berliner Wahlkreises, welchen bisher der freisinnige Schulrath vr. Zwick innehatte, der seiner Zeit mit einer kleinen Mehrheit den früheren sozialistischen Vertreter, Redakteur Schmidt, in der Stichwahl besiegte. Trotzdem in der erwähnten Versammlung auch Herr Rolf Sommer im Namen der sonst jede politische Tätigkeit bestreitenden „deutschnationalen Handlungsgehilfen" dem Antisemiten Bruhn die entschiedenste Unterstützung seiner Kandidatur zusicherte, dürfte diese in Berlin kaum eine bemerkenswerte Bedeutung erlangen. In Schneidemühl, wo Bruhn ebenfalls kandidiert und durch ein überreichtes Bouquet von Marechal-Niel-Rosen in guten Geruch gebracht werden sollte, dürfte ihm der Abg. vr. Barth von der freisinnigen Vereinigung das Konzept verdorben haben. Dafür spricht wenigstens der verbissene Aerger, der aus jeder Zeile eines drei Spalten langen Artikels der „Staatsbürger-Zeitung", in welchem der Abg. vr. Barth als „neuer Judenmajor, der als Rattenfänger die deutschen Lande durchzieht",, verunglimpft wird. In Deutsch - Krone Stadt und Land sollen, wie Herr Bruhn behauptet, ihm und seinem Freunde Kammer der Bürgermeister und einzelne Amtsvorsteher die Abhaltung von Versammlungen unmöglich gemacht haben, was er, selbstverständlich mit Unrecht, auf den angeblichen Einfluß der Juden . zurückführt. Auf den Kreis Meseritz - Bomst verzichtet er, wie er sagt, zu Gunsten des den Polen gegenüberstehenden konservativen Kandidaten von Gersdorff, entweder weil er bei der letzten Wahl durch seine indirekte Unterstützung der polnischen Kandidatur viele Vorwürfe eingeheimst hat, oder weil er dafür konservative Stimmen zu Gunsten seiner aussichtsvrllen Kandidatur in Arnswalde-Friedeberg einzutauschen hofft. In Jastrow hat Herr Bruhn am 22. Februar als Kandidaten für den Reichstag Herrn Lehrer Berg aus Heinersdorf bei Berlin vorgestellt, der sich mit einer Rede über „das schaffende Volk und die Macht des Kapitals" einsührte und dabei ein antisemitisches Programm entwickelte. Ob auch dort vorher das verfängliche Flugblatt verteilt worden ist, dessen Inhalt die Vorgesetzte