Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 221 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 221 unzählige Gemüter erregt, beweisen deutlich genug, Daß selbst in Kreisen, die der „Kreuz-Zeitung" nahestehen, über die Staatsgesährlichkeit der Jesuiten und der Juden ganz anders geurteilt wird. Diese Kreise werden es kaum verstehen, daß ein streng protestantisches Blatt stch aus purem Judenhaß -aus die Seite der Jesuiten stellen kann. Unheilvoller aber als jener „Jesuitismus," den Ehren-Gödsche, Freiherr von Hammerstein und einige ihrer Epigonen zur Blüte brachten, werden die „katholischen" Jesuiten niemals auf das deutsche Staatsleben einwirken, die Juden aber erst recht nicht, auch wenn sie überhaupt jemals in die Lage kommen sollten, dasselbe in nennenswerter Weise zu beeinflussen. Wenn die „Kreuz-Ztg." gerade jetzt wieder sich von vielen eifrigen Protestanten trennt, um mit der radikal-antisemitischen „Staatsbürger-Ztg." völlig an einem Strang zu ziehen, erklärt sich dies teilweise auch aus dem unhequemen Wettbewerb, den viele Kreuz- Zeitungs-Politiker bei den bevorstehenden Wahlen von dem „reinen Antisemitismus" befürchten. Das Blatt Wilhelm Bruhns hat als Wahlparole empfohlen: „Sperrung der Grenzen gegen fremde Juden und Beschränkung der inländischen Juden im öffentlichen Leben auf das nach ihrer Bevölkerungszisfer ihnen zukommende Maß." Da bei dem zweiten Teile der antisemitischen Losung jemand an eine prozentuale Zulassung der Juden zu Verwaltungs- und Richterstellen oder gar zum Offizierkorps denken könnte, begeistert sich die „Kreuz-Zeitung" mehr für die Grenzsperre gegen fremde Juden und läßt sich schon seit längerer Zeit durch keine Ortskenntnis getrübte Berichte aus England und Amerika schreiben, aus denen gefolgert werden könnte, daß man auch in diesen freien Ländern den Juden gegenüber antisemitische Einwanderungsbeschränkungen für nötig halte. Die „Kreuz-Zeitung" weiß nicht oder will nicht wissen, daß die in England und Amerika getroffenen Maßnahmen auch von den meisten dortigen Juden gebilligt werden und hauptsächlich nur den Zweck haben, die Einwanderer an dem zwecklosen Verbleiben in London und New-Iork zu verhindern, wo Wohnungsnot und Arbeitsmangel nicht nur unter den mittellosen Juden, sondern für das gesamte Proletariat unleidliche Verhältnisse erzeugt haben. Die Beurteilung der Stellung der Juden in Deutschland durch die „Kreuz-Zeitung" ist aber nicht minder schief. Am 24. Februar brachte sie einen „Die Juden in der Politik" überschriebenen antisemitischen Artikel, über den sich die „Magdeburger Zeitung", wie folgt, treffend äußerte: „Anstatt sich mit Männern wie Oppert-Blowitz, Georg Brandes, dem„Tribüne"-Korreipondenten