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Im deutschen Reich · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. 209

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Rückblick auf die zehnjährige Tätigkeit des "Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens"
Date
1903-03-01
Page
209 (sequence 13)
Language
German
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Rückblick auf die zehnjährigeLTätigkeit rc. 209 Ich sage, die Begriffe sind umgewertet. Wer will uns raten, das ruhig und schweigend hinzunehmen, die Flinte ins Korn zu werfen und zu verzagen? Gewiß, wir können kein jüdisches Zentrum schaffen l Heiterkeit), das für uns sorgt; aber wir können unsere geistigen und materiellen Kräfte zusammenfaffen, und wir können dafür sorgen, daß in das Parlament nur Männer hineinkommen, die Respekt vor dem Rechte der Minderheit haben und die wirklich und ehrlich gesonnen sind, der Minderheit gerecht werden zu wollen (Lebhafter Beifall). Wir können dafür sorgen, nicht daß jüdische Kandidaten in die Volksvertretungen hineinkommen, aber daß Männer hineinkommen, denen der Gedanke des Antisemitismus verhaßt ist, und daß die Männer aus der Vertretung von Reich und Land, von Stadt und Kreis herauskommen, die Antisemiten sind (Lebhafter Beifall). Und das können wir an zahllosen Orten! Wo sich nur immer zwei Kandidaten gegenüberstehen, da können wir auf Herz und Nieren prüfen: Wer wird der Gerechtigkeit dienen und wer nicht, und wer es wird, den können , und wollen wir mit unseren geistigen und materiellen Kräften unterstützen (Beifall). Und, meine Herren, selbst wenn uns der Erfolg fehlt — wer wird raten, die Abwehr und den Kampf einzustellen? Wer in der Abwehr-Bewegung steht, sieht es mit Freude, wie die Gemeinsamkeit der Abwehr und das Bewußtsein der erfüllten Pflicht den Karakter stählt, das bange Gemüt erhebt und das Judentum verinnerlicht. Wer will diesen Werdegang dadurch stören, daß er sagt, wir wollen innehalten, weil wir doch keinen Erfolg haben werden! Von den beiden Brandungen, die gegen das Judentum wühlen, von dem Antisemitismus und dem Renegatentum, hat sich der Antisemitismus, dank der Abwehr, als die Kraft erwiesen, die das Böse will und das Gute schafft (Zustimmung und Beifall). Wer hätte es vor zehn, noch vor sechs oder vier Jahren geglaubt, daß er einst eine solche Versammlung wie die heutige hier in Berlin würde sehen können? Ich bin zu Weihnachten in kleinen Städten meiner oberschlesischen Heimat, vor acht Tagen in Ostpreußens Hauptstadt gewesen. Hunderte Herzen habe ich schlagen hören und hunderte Augen flammen sehen. Daß das so gekommen, das' ist das Wirken der Abwehr-Bestrebungen, derjenigen Abwehr- Bestrebungen, die sich an die jüdische Gesamtheit wenden, die Juden sammeln und sie bekräftigen, auszuharren in Treue zum Vaterland, aber auch in der Treue zur Glaubensgemeinschaft (Beifall). Denn mag Treitschke auch in seiner deutschen Geschichte die Palme wahren Ruhmes nur einem Juden zuerkennen, wenn er ganz und ohne Vorbehalt im deutschen Leben au geht, mag hier von einem

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