Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 189 (sequence 11)
- Language
- German
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Bereinsnachrichten. 189 In den Bismarck-Sälen, Berlin 0., Neue Grünstr. 28, wurde am 12. Februar von den Central-Vereins-Gruppen 0., X. und NO. eine sehr zahlreich besuchte Versammlung abgehalten, für welche Herr Rabbiner vr. A. Ackermann aus Brandenburg einen Vortrag über „Das Judentum im Lichte des Vorurteils" zugesagt hatte. Der Vorsitzende der Gruppe 0., Herr Rechtsanwalt Rudolf Hahn, leitete die Versammlung mit einer Begrüßungsansprache ein und erteilte dann dem Vortragenden das Wort, der zunächst erklärte, nicht auf alle Vorurteile eiugehen zu wollen, unter welchen die Juden unverdient leiden, sondern nur auf jene christlich-theologischen Vorurteile, die sich gegen das I u d e n t u m richten. Er wolle damit den Hörern geistiges Rüstzeug bieten, vermöge dessen sie in der Diskussion mit Andersgläubigen auf der Höhe zu bleiben vermöchten. Jene Vorurteile laufen nicht nur sämtlich daraus hinaus, dem Judentum die Eristenzberechtigung abzusprechen, sondern bezwecken ganz besonders den geschichtlichen Zusammenhang zwischen dem Judentum und dem Christentum zu lockern und letzteres auf eigene Füße zu stellen. Selbst bei sonst hochgesinnten christlichen Theologen zeige sich immer das Bestreben, das Christentum dadurch in's hellste Licht zu setzen, daß sie den jüdisch-zeitgeschichtlichen Hintergrund der neutestamentlichen Periode so dunkel als möglich halten; sie vermeiden deshalb auch ängstlich, aus jüdischen Quellen Kenntnis über das Milieu der Zeit zu schöpfen, in welcher das Christentum entstand, und beschränken sich in dieser Beziehung auf die sich in den Evangelien befindenden Angaben, trotzdem diese keineswegs übereinstimmen und bei unbefangener Prüfung vieler zweifellos unchristlicher neutestamentlicher Stellen sich die Tatsache kaum verkennen läßt, daß der Stifter der christlichen Religion selbst noch völlig auf jüdischem Boden stand und daß jene Stellen in den Evangelien, in welchen der Gegensatz zum Alten Testament systematisch und zum Teil unter unzutreffenden Angaben über alttestamentliche Aussprüche hervortritt, dem späteren „paulinischen Christentum" ihren Ursprung verdanken. Die der „Tübinger Schule" angehörenden christlichen Theologen haben sich erfolgreich bemüht, das wieder auszuscheiden, was sie als spätere Zutat erkannten, aber immerhin haben sie es nicht über sich gebracht, zu bekennen, daß, wenn man das Christentum von den Begriffen der Trinität, der Erbsünde u. s. w. loslöst, der zurückbleibende Kern jüdisch ist, daß der Stifter der christlichen Religion sich schließlich als ein edler jüdischer Gesetzeslehrer darstellt, dem es nur darauf angekommen war, eine Verinnerlichung der jüdischen Lehren zu erzielen. Würden jene christlichen Theologen im Stande sein, alle ihnen anerzogenen Vor-