Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 181 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316704--10734-2331112- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
B er c tnöna ch ri ch t en. ISi sich gründen mußte, und noch trauriger, daß er noch bestehen muß; es ist niederziehend, daß nach 10 Jahren des Kampfes ums Recht, dieses Recht noch nicht erkämpft ist, daß es noch nicht gelungen ist, eine Bewegung, die Deutschland schändet, niederzuwersen und die Abwehr gegen dieselbe zu vollenden. Auf der andern Seite können wir aber auch mit einer gewissen Freude aus das heutige Fest sehen, erhebend muß es für jeden unserer Mitstreiter sein, wenn er bedenkt, nach welcher Mühe es uns in reichem Maße gelungen ist, in uns selbst, in unseren Glaubensgenossen die Ideen sich festigen zu lassen, die uns zusammengeführt haben. Was wollen wir? Wenige Worte sagen es: Glaubenstreue und Vaterlandsliebe. Wir wollen in gleichem Maße wie unsere Mitbürger unsere -Pflicht erfüllen; wir sind auch mit dem Verlangen gesteigerter Pflichterfüllung gern einverstanden. Wir verlangen aber auch gleiches Recht mit ihnen,- und wenn man uns das nicht gewährt, so wollen wir es uns erkämpfen. Das ist, was der Verein will. Das ist so einfach, daß es Allen einleuchten sollte, und wie es in den Herzen unserer Glaubensgenossen Wurzel geschlagen hat, dessen können wir kein besseres Zeichen sehen, als diese stattliche Versammlung, die sich heute zum Wiegenfeste des Vereins zusammengefunden hat. Treue halten wir! Es werden uns Belohnungen geboten für das Verlassen des Glaubens, für die Untreue an uns selbst: wir weisen diese teuer erkaufte Belohnung von uns. Vaterlandsliebe üben wir, und wenn wir an das Vaterland denken, so fällt uns natürlich zuerst Derjenige ein, in dem sich nach außen hin das Vaterland verkörpert. Wenn wir heute unseres Kaisers gedenken, so gegeschieht das vor Allem deshalb, weil schon ohne Weiteres zwei Aussprüche, die er getan, eigentlich das ganze Programm unseres Vereins enthalten. Unsere Devise ist die uns von Allerhöchster Stelle gewiesene: „Wer nur aus Gott vertraut und feste um sich haut, hat nicht auf Sand gebaut" (Beifall) und unsere Hoffnung ist ein anderes Wort von Allerhöchster Seite: „Recht muß doch Recht bleiben"., (Beifall.) Darin verkörpert sich unser Programm und unser Hoffen,, und daß diese Worte einen voll gemessenen Inhalt haben, das sehen wir, wenn wir die heutige Versammlung überblicken. Nicht nur sind in hellen Scharen unsere Vereinsgenossen zu unserem Fest geeilt; mit hoher Genugtuung begrüßen wir heute die Gäste, die uns mit ihrem Besuch beehrt haben, die Vertreter der jüdischen Gemeinden Deutschlands, die von Berlin und auswärts -herbeigeeilt sind, unser Fest zu feiern, Vertreter des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, jenes gleichstrebenden Vereins, der sich von uns im Wesentlichen