Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 180 (sequence 2)
- Language
- German
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180 Im deutschen Reich. Verlanget doch, was nur das Herz kann geben, Verlanget doch, was nur in unserer Macht, Verlanget es und war es unser Leben, Wir Habens oft dem Vaterland gebracht. Nur eins verlanget nicht, laßt uns den Glauben, Der leuchtend drang einst durch die dunkle Nacht, Ihr könnet ihn, Ihr dürft ihn uns nicht rauben, Der die Erlösung dieser Welt gebracht. Von ihm, von unserem Rechte tief durchdrungen, So stehen alle hier für einen ein, Und ist der volle Sieg noch nicht errungen, Zum Siege führet der Central-Verein. Denn für das Höchste streben wir auf Erden, Und ein Bewußtsein giebt uns stete Krast, Nicht für uns selbst, im Dienste der Gemeinde, So stehen wir gerüstet vor dem Feinde. Denn dieser Glaube ist die ewige Quelle, Aus der die Welt des Herzens Hoffnung nimmt. Im stolzen Dome, in der Vergkapelle Sein Echo in der Menschheit Seele dringt; Vom dumpfen Aberglauben nicht getrübet, An keine Wundcrlehre fest gebannt. So tönt er aus des Herzens Tiefen wieder Und bringt den Himmel zu der Erde nieder. Für jenen Glauben haben wir gelitten, Wie noch kein Volk auf dem Planetenrund, Verfolgt, zerstreut in der Nationen Mitten, Schwor nicht zum falschen Eide unser Mund. Noch stehen wir hier für alle Zeit die Zeugen, Vertrauend auf des ewigen Gottes Wort, Daß Berge mögen weichen und die Höhen, Doch Israel es wird nicht untergehen. Nach einer sodann von Herrn Rokitzki vorgetragenen Orgel-Phantasie hielt der erste Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz folgende Begrüßungsansprache: Hochverehrte Gäste! Hochgeehrte Vereinsgenossen! Mit bewegtem Herzen nehme ich heute das Wort, an dem Tage, da sich der Stiftungstag unseres Vereins zum 10. Male jährt. Ich möchte mit Shakespeare sagen, daß wir heute mit einem nassen und mit einem heiteren Auge auf dieses Fest sehen: mit einem nassen Auge, denn es ist tiefbetrübend, daß ein Verein, wie der unserige, überhaupt ein zehnjähriges Stiftungsfest feiern kann; es ist traurig, daß unser Verein