Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1903-02-01 · Heft 2 (Februar 1903) · p. 167

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 2 (Februar 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-02-01
Page
167 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316701-2316704--10696-2331098
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau- 167 Wissenschafts- und Gebetssprache und läßt sich deshalb höchstens etwa mit dem Lateinischen vergleichen. In dieser Erwägung dürfte inbezug ans die Gestaltung des hebräischen Unterrichts in der Volksschule von dem Kgl. Provinzial-Schulkoüegium das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Diese Hoffnung wird auch durch das offiziös angekündigte Eingehen der Behörden aus den langgehegten Wunsch bestärkt, daß den jüdischen Lehrer-Seminaren die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig-freiwilligen Dienst verleihen werde. Die „Berliner politischen Nachrichten" schreiben: „Es sind neuerdings in Preußeu eingehende Ermittelungen über die Einrichtung und Leistung dieser privaten Lehrer-Seminare, darunter auch der jüdischen, vorgenommen. Das Ergebnis unterliegt jetzt der Prüfung. Sobald die preußische Uurerrichtsverwaltung Stellung genommen hat, wird geeignetenfaüs die Reichs-Schulkommission zu einer gutachtlichen Aeußerung darüber veranlaßt werden, ob und unter welchen Bedingungen den im Reiche vorhandenen Privat - Seminaren, einschließlich der jüdischen, ' die fragliche Berechtigung verliehen werden kann." Die „Staatsbürger-Zeitung" bemerkt dazu: „Das Ergebnis dieser Prüfung wissen wir im voraus. Der Wunsch der Juden wird erfüllt werden, das liegt nun einmal in dem heutigen System. Es ist bedauerlich, aber wahr." Weshalb das Antisemitenblatt darüber jammert, ist unklar; sonst forderte es beständig besondere Judenschulen, jetzt ist ihr die Förderung jüdischer Seminare zuwider. Den Antisemiten dieser Kategorie wird es die Regierung nie recht machen können. Anders als das Bruhnsche Blatt faßt die Dresdenerantisemitische „Deutsche Wacht" die Angelegenheit auf; sie sagt: „Das mag der Absicht nach als Liebenswürdigkeit gegen das Judentum gedacht fein, aber wir begrüßen jede Maßnahme, die geeignet ist, unsere Bildungsanstalten von jüdischen Besuchern zu entlasten." Von den Antisemiten, die den Begriff der Rechtsgleichheit vollständig verlernt haben, wird natürlich jeder gegen Juden geübte Akt der Gerechtigkeit als eine besondere „Liebenswürdigkeit" der Behörden oder als noch schlimmeres dargestellt. Leute aber, die nicht gleiches Recht für alle erstreben und gelten lassen wollen, sollten sich doch nicht als Volksretter und als die -besten Freunde des bürgerlichen Mittelstandes aufspielen. Für diese antisemitischen Demagogen ist es beinahe unverständlich, daß der Staatssekretär Graf Posadowsky nur den Mittelstand für lebensfähig hält, der sich die technischen Errungen schäften zu eigen macht und dadurch vorwärts kommt, nichtjenes Banausentum, welches sich durch reaktionäre Raitenfängerlieder in.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.